FLAG kombiniert mit Idarubicin oder Etoposid als Reinduktionstherapie für unterschiedliche Subgruppen der refraktären/rezidivierten akuten myeloischen Leukämie

Westhus, Jonas GND

In der Therapie der akuten myeloischen Leukämie (AML) stellen refraktäre/rezidivierte Patienten eine große Herausforderung dar. Derzeit existiert keine standardisierte Reinduktionstherapie für diese Patientengruppe. Gerade für mehrfach rezidivierte und stark vortherapierte Patienten sind die therapeutischen Optionen aufgrund der bereits verabreichten hohen kumulativen Anthrazyklin-Dosis und der damit verbundenen Kardiotoxizität stark begrenzt. Wir evaluierten daher für diese besondere Patientengruppe die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Anthrazyklin-freien Fludarabin/Cytarabin/GCS-F-(FLAG)-Etoposid-(Eto)-Protokolls als Reinduktionstherapie. Darüber hinaus untersuchten wir in einer der bislang größten Studienpopulation den Einsatz des FLAG-Idarubicin-(Ida)-Protokolls bei primär refraktären und erstrezidivierten AML-Patienten. In die vorliegende retrospektive Studie wurden hierzu insgesamt 168 refraktäre/rezidivierte AML-Patienten eingeschlossen, die eine Reinduktionstherapie nach dem FLAG-Ida- (n = 132) beziehungsweise (bzw.) FLAG-Eto-Protokoll (n = 36) erhalten hatten. Die FLAG-Eto-Patienten waren im Vergleich zu den FLAG-Ida-Patienten signifikant häufiger rezidiviert, entsprechend signifikant stärker vortherapiert (Median: 1 versus 0 vorherige Rezidivtherapien, p < 0,0001) und hatten signifikant häufiger ein Rezidiv nach allogener Stammzelltransplantation erlitten. Somit ist ein direkter Vergleich der FLAG-Ida- und FLAG-Eto-Gruppe hinsichtlich des Therapieansprechens und der Toxizität nicht möglich. In der FLAG-Ida-Population wurde eine Gesamtansprechrate von 65% (84/129) bei einem medianen Gesamtüberleben von 15 Monaten erreicht, während in der FLAG-Eto-Population die Gesamtansprechrate bei 46% (16/35) und das mediane Gesamtüberleben bei 6 Monaten lag. Das mediane krankheitsfreie Überleben wurde in der FLAG-Ida-Gruppe nicht erreicht und betrug 8 Monate in der FLAG-Eto-Gruppe. Die mediane Neutropenie- und Hospitalisierungsdauer sowie die mediane Anzahl an transfundierten Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentraten lag in beiden Therapiegruppen auf einem vergleichbaren Niveau. Schwere Infektionen sowie ≥ Grad 3 Nephro-, Hepato- und Kardiotoxizität traten in beiden Therapiegruppen nur selten auf. Die Mortalitätsrate an Tag 30 betrug 9% bzw. 8%, und an Tag 60 16% bzw. 17% in der FLAG-Ida- bzw. FLAG-Eto-Gruppe. Das FLAG-Eto-Regime zeigte in unserer Studie bei stark vortherapierten refraktären/rezidivierten AML-Patienten, die für eine Anthrazyklin-haltige Rezidivtherapie nicht geeignet waren, eine relevante antileukämische Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit. Darüber hinaus konnte in einer der bislang größten Studienpopulationen die weltweite Bedeutung des FLAG-Ida-Protokolls als Reinduktionstherapie mit guter Wirksamkeit und Verträglichkeit bei primär refraktären und erstrezidivierten AML-Patienten bestätigt werden.

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Westhus, J., 2020. FLAG kombiniert mit Idarubicin oder Etoposid als Reinduktionstherapie für unterschiedliche Subgruppen der refraktären/rezidivierten akuten myeloischen Leukämie. https://doi.org/10.17185/duepublico/71534
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