Altersbezogene Demographie, Klinik und Therapieevaluation bei Patienten mit episodischem und chronischem Clusterkopfschmerz

Knauer, Amelie GND

Der Clusterkopfschmerz (CK) ist eine Erkrankung mit geringem Bekanntheitsgrad und unzureichenden therapeutischen Möglichkeiten. Zur Verbesserung von Diagnostik und Therapie der Erkrankung haben wir Krankheitsdaten von 455 Patienten ausgewertet. Mittels eines Fragebogens wurden die Betroffenen anonym zu Epidemiologie, Demografie, klinischer Ausprägung und Therapie ihrer Kopfschmerzerkrankung befragt. Ziel der Studie war es, bislang vorliegende Kenntnisse zu Symptomen, Verlauf und Therapiemöglichkeiten zu erweitern und eine bisher nicht erfolgte altersabhängige Analyse durchzuführen. Die episodische Verlaufsform des CK (ECK) war mit 67% etwa zweimal so häufig wie die chronische Form (CCK, 32%). Weiter unterschieden wir zwischen primär chronischem (42%) und sekundär chronischem CK (58%). Letzterer nahm anteilmäßig mit steigendem Alter zu, während die episodische Form im Alter seltener auftrat. Männer waren mit 72,5% etwa dreimal häufiger betroffen als Frauen (26,8%). Das Alter der Patienten lag zwischen 9 und 85 Jahren mit einem Mittelwert von 49,9 Jahren. Die Zeit bis zur Diagnosestellung war abhängig vom Patientenalter ansteigend mit Durchschnittswerten von 1,3 Jahren für die jüngste Altersgruppe bis zu 8,9 Jahren in der ältesten Gruppe. Die linke Seite war bei 44,4% betroffen, die rechte bei 40,0%. Der Schmerz war vor allem orbital (85,1%), temporal (76,0%) und retroorbital (67,7%), aber auch im Bereich von Oberkiefer, Stirn, Nacken, Unterkiefer, Ohr und Scheitel (in absteigender Reihenfolge) lokalisiert. Dabei beschrieben weibliche Teilnehmer ein breiter verteiltes Schmerzfeld als Männer. Im Alter blieben sowohl die betroffene Seite als auch die Regionen individuell stabil. Trigeminoautonome Begleitsymptome waren Lakrimation (87,5%), konjunktivale Injektion (66,6%), Rhinorrhoe (65,1%), nasale Kongestion (53,1%) und Ptose (44,2%). Aber auch migränetypische Symptome wie Photophobie (58,5%), Phonophobie (56,5%) und Nausea (33,8%) wurden angegeben. Ein für den CK sehr typisches Begleitsymptom, Pacing around, wurde von 77% der Patienten genannt. Einen einseitigen Dauerkopfschmerz zwischen den Attacken kannten 63% der Patienten mit CCK und 52% der Patienten mit ECK. Im höheren Alter wurden trigeminoautonome Symptome seltener angegeben. Zur Akuttherapie verwendet wurden Sauerstoff (87,9%), Triptane (nasal 80,7%, s.c. 47,5%, oral 32,3%) sowie verschiedene Analgetika. Die beste Wirkung zeigte Sumatriptan s.c.. Das beste Ansprechen auf die empfohlene Therapie zeigten die 41-60-Jährigen. In der prophylaktischen Therapie war Verapamil das meistangewendete Medikament (76,3%) vor Kortisonstoß (62,9%) und Okzipitalisblockade (19,0%). Drogen eingenommen hatten laut unserer Studie 18% der Frauen mit CK und 24,8% der Männer. Mit unseren Ergebnissen, basierend auf einer großen Stichprobe, konnten wir vorbeschriebene Daten aus epidemiologischen Studien zum CK bestätigen und erweitern.

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Knauer, Amelie: Altersbezogene Demographie, Klinik und Therapieevaluation bei Patienten mit episodischem und chronischem Clusterkopfschmerz. 2020.

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