Feminism in Gillian Flynn’s Novels : violence, malice and amorality as the basis of a post-feminist agenda

Gülderen, Enes GND

In the last years, US American author Gillian Flynn became both famous and eminent for writing extremely violent, malicious and amoral women characters in her novels Sharp Objects (2006), Dark Places (2009) and Gone Girl (2012). In her essay “I was not a nice little girl…”, Flynn herself explains that she despises the lack of violent women in literature. According to her, such characters have been spoken lightly of and judged unfavorably, because violence in literature is ascribed to men rather than women. As a consequence, Flynn claims that women in literature must have the mere ability to be as violent, malicious and amoral as male characters and that these attributes must not be affected by gender presuppositions. As this feminist claim has not been discussed in terms of literature and gender equality, it is the goal of this dissertation to analyze how Flynn uses the previous waves of feminism and how she moves beyond these waves in order to achieve a post-feminist agenda, in which all negative character traits and attributes, including violence, malice and amorality, must be considered a basic prerequisite of emancipation. Thus, the key question of this dissertation is: “How does Gillian Flynn use but move beyond the various waves of feminism in order to suggest a post-feminist agenda in which violence, malice, and amorality are necessary for achieving complete gender equality?”. In Flynn’s novels, nearly every character is unable to subject to culturally presupposed gender roles and stereotypes of femininity and masculinity. Morally reprehensible behavior patterns are often a result of this inability and are implicitly ascribed to the post-feminist media culture in the USA that uses the idea of “post-feminism” to socialize Americans into believing that gender equality has been achieved and feminism is no longer needed. In her criticism, Flynn demands that the perception, correlation and evaluation of certain character traits must not be affected by but instead be detached from all gender concepts of media culture. In this dissertation, this feminist idea is analyzed with regard to social, cultural and historical conditions in the USA. The premise of this analysis is that violence, malice and a lack of morals in literature must be used as feminist tools to reveal, explain and question unconscious changes and paradox experiences of the post-feminist media culture in the contemporary USA. To answer the above-mentioned key question, the historical and cultural elements of the three waves of feminism and the theoretical approaches that were developed during each phase are mainly focused on in this analysis. Margaret Fuller’s Woman in the Nineteenth Century (1845), Betty Friedan’s The Feminine Mystique (1963) and Judith Butler’s Gender Trouble (1990), which each represent one wave of American feminism, allow an examination of specific aspects that are used in Flynn’s novels to show that gender-related problems are still present in the American media culture and that emancipation requires more accurate representations as well as the acknowledgement of diverse women characters that can be equally violent, amoral and malicious. This dissertation also examines the social and psychological effects of culturally presupposed gender roles that are created and affected by media culture, in which, according to Flynn, the rejection of strong female characters is part of a patriarchal and gender-based oppression. Thus, Flynn demands that authors must be allowed to write characters that are not affected by presupposed gender roles and rules of post-feminist media culture. When examining in how far Flynn’s claim is truly post-feminist, the term “post-feminism” is not used to express that feminism is over but as an approach that goes beyond the three waves as it demands a radical postulate of self-determination and self-fulfillment, including the acknowledgement of violent and amoral female characters. This means that accurate media representations of women must be diverse and not affected by gender presuppositions. Demanding these representations makes Flynn’s post-feminist agenda helpful in developing a consciousness for the necessity of diverse women characters as a prerequisite for gender equality. The literary freedom of writing female characters, whose violence, malice and lacking morals must not be acknowledged as an exception but as a norm, ultimately leads to a better understanding of presupposed gender roles in the post-feminist media culture in the USA.

In den letzten Jahren erlangte die amerikanische Autorin Gillian Flynn mit ihren Darstellungen von extrem gewalttätigen, bösartigen und unmoralischen Frauenfiguren in den Romanen Sharp Objects (2006), Dark Places (2009) und Gone Girl (2012) weltweit Anerkennung. In ihrem Essay „I was not a nice little girl…” erklärt Flynn selbst, dass ihr der Mangel an gewalttätigen Frauen in der Literatur missfalle. Solche Figuren würden abfällig bewertet werden, da Gewalt in der Literatur eher Männern als Frauen zugeschrieben und dadurch ermöglicht wird. Als Konsequenz ist sie der Meinung, dass Frauen in der Literatur genauso gewalttätig, bösartig und unmoralisch wie Männerfiguren sein dürfen und dass diese Eigenschaften nicht genderspezifisch bewertet werden sollten. Da dieser feministische Grundgedanke bislang in wissenschaftlichen Arbeiten nicht im Hinblick auf Gleichberechtigung diskutiert wurde, ist es das Ziel dieser Dissertation zu analysieren, wie Flynn die vorangegangenen Wellen des Feminismus nutzt, um eine postfeministische Agenda zu verfolgen, in der als negativ eingestufte Charaktereigenschaften als notwendige Grundvoraussetzung einer Emanzipation zu betrachten sind. Die Fragestellung der vorliegenden Arbeit lautet daher: Wie nutzt Gillian Flynn die Wellen des Feminismus und welche Aspekte verwendet sie darüber hinaus, um in ihrer postfeministischen Agenda aufzuzeigen, dass Gewalt, Bösartigkeit und ein Mangel an Moral eine notwendige Voraussetzung für universelle Gleichberechtigung darstellen? In Flynns Romanen sind nahezu alle Charaktere unfähig, sich den kulturell vorgeschriebenen Geschlechterrollen sowie Stereotypen der Weiblichkeit und Männlichkeit zu unterwerfen. Verwerfliche Verhaltensweisen sind häufig ein Resultat dieser Unfähigkeit und werden in den Romanen implizit der postfeministischen Medienkultur in Amerika angelastet. Diese Medienkultur nutze den Postfeminismus um Amerikaner dahingehend zu sozialisieren, dass Gleichberechtigung auf allen Ebenen erreicht sei und Feminismus daher nicht länger benötigt werde. Flynn kritisiert diese Medienkultur und fordert dabei, dass die Zuordnung und Bewertung bestimmter Eigenschaften nicht genderspezifisch, sondern losgelöst vom Geschlechterkonzept erfolgen müsse. Dieser feministische Grundgedanke wird in der vorliegenden Dissertation vor dem Hintergrund sozialer, kultureller und historischer Gegebenheiten in den USA analysiert. Dabei wird vorausgesetzt, dass in literarischen Werken Gewalt, Bösartigkeit und ein Mangel an Moral als feministische Werkzeuge verwendet werden, um unbewusste Veränderungen und widersprüchliche Erwartungen einer gegenwärtigen Medienkultur aufzudecken und zu hinterfragen. Zur Beantwortung der ausgehenden Fragestellung werden hauptsächlich historische und kulturelle Faktoren der drei Wellen des Feminismus sowie die theoretischen Ansätze, die während dieser Phasen entstanden sind, als Analysegrundlagen verwendet. Dabei wird vor allem Bezug genommen auf Margaret Fullers Woman in the Nineteenth Century (1845), Betty Friedans The Feminine Mystique (1963) und Judith Butlers Gender Trouble (1990), welche jeweils eine Welle des Feminismus in den USA exemplarisch repräsentieren. Der Bezug ermöglicht die Untersuchung spezifischer Aspekte jener Phasen, die Flynn in ihren Romanen aufgreift, um zu zeigen, dass genderspezifische Probleme nicht nur gegenwärtig in der amerikanischen Medienkultur existieren, sondern auch dass Emanzipation die Anerkennung verschiedenartiger Frauenfiguren voraussetzt und damit auch für die Verwendung gewalttätiger und unmoralischer weiblicher Charaktere in der Literatur offen sein muss. In der Dissertation werden ferner die Auswirkungen kulturell vorgegebener Genderrollen hinsichtlich sozialer Umstände und damit einhergehender Frustrationen analysiert, welche oft eine Konsequenz der Medienkultur sind, von der Flynn behauptet, dass die in ihr existierende Ablehnung starker Frauenfiguren, die gewalttätig, bösartig und unmoralisch handeln, Teil einer geschlechterspezifischen Unterdrückung darstellt. Flynn fordert somit, Autoren die Möglichkeit einzuräumen, Charaktere in einer von den Regeln der Medienkultur losgelösten und geschlechterunspezifischen Literatur entwerfen zu dürfen. Diese Dissertation untersucht inwiefern die literarische Umsetzung von Flynns Haltung eine postfeministische Agenda darstellt. Als „postfeministisch“ wird in diesem Kontext ein Haltung bezeichnet, die dadurch über die drei feministischen Wellen hinausgeht, dass für Frauen/-figuren ein radikales Postulat der Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung gelten soll, welches auch gewalttätigen und amoralischen weiblichen Schurken einen Platz einräumt. Es werden wandelbare und von Genderregeln losgelöster Frauenfiguren gefordert. Gleichzeitig wird in der Dissertation dargestellt, wie Flynns Postfeminismus hilfreich bei der Ausbildung eines Bewusstseins für die Notwendigkeit vielfältiger Frauenrollen als Grundvoraussetzung für Gleichberechtigung ist. Die vorliegende Arbeit zeigt, dass die literarische Freiheit, Frauenfiguren entwerfen zu dürfen, deren Gewalt, Bösartigkeit und fehlende Moral nicht bloß als Ausnahme, sondern als Norm anerkannt wird, insgesamt zu einem besseren Verständnis vorgeschriebener Geschlechterrollen in der gegenwärtigen amerikanischen Medienkultur führen kann.

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Gülderen, E., 2020. Feminism in Gillian Flynn’s Novels: violence, malice and amorality as the basis of a post-feminist agenda. https://doi.org/10.17185/duepublico/71787
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