Der Stellenwert der Sportmedizin in der Lehre in Europa und speziell in Deutschland

Rusch, Caroline Isabelle GND

Die zentrale Frage dieser Arbeit ist, inwieweit das Fach Sportmedizin im medizinischen Curriculum an den Universitäten europaweit und speziell in Deutschland vertreten ist. Das Fach „Sportmedizin“ umfasst neben dem Einsatz körperlicher Aktivität für den Erhalt oder die Wiedererlangung von Gesundheit auch die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen, die durch Sport ausgelöst oder auch verschlimmert werden können. Trotz großem Interesse seitens der Studierenden nimmt „Sportmedizin“ im Rahmen des Medizinstudiums eine eher untergeordnete Rolle ein. Exakte Daten über die studentische Ausbildung im Fach „Sportmedizin“ gibt es kaum. Mittels Fragebogenaktion wurden insgesamt 187 Fakultäten in Deutschland und 9 europäischen Ländern angeschrieben mit der Fragestellung inwieweit Sportmedizin Teil des Curriculums ist und wenn ja, welche Schwerpunkte (internistisch oder orthopädisch) gelegt werden. Die Rücklaufquote betrug insgesamt 42 %. Insgesamt bieten 50 % der Fakultäten Sportmedizin an. 27 dieser 187 Universitäten bieten auch Prävention als Fach an; hier ist Sportmedizin in 11 dieser 27 Fakultäten Teil des Curriculums. In Deutschland (Rücklaufquote 86 %) ist Sportmedizin in 68 % Teil des Curriculums. Allerdings sind die Unterrichtsinhalte entweder sehr chirurgisch/ orthopädisch oder internistisch-kardiologisch ausgerichtet. Ein Praktikum im Fach „Sportmedizin“ z.B. im Rahmen eines Wahlpflichtfaches in der klinischen Ausbildung gibt es bundesweit nicht. Ein entsprechender Kurs mit einem multidisziplinären Ansatz (Verknüpfung aller Aspekte) fehlt sogar europaweit. Lediglich die Universitäten Glasgow, Hannover, Groningen und Essen kommen diesem Anliegen nahe. Seit 2013 wird am UK Essen ein 6-tägiges Wahlpflichtpraktikum im 4. klinischen Semester angeboten. Es beinhaltet u.a. eine allgemeine sportmedizinische Untersuchung, Leistungsdiagnostik, Hospitationen, Rehabilitation, Erstellen von Trainingskonzepten, Tauch- und Höhenmedizin. Der Kurs wurde inzwischen 8 x durchgeführt, hat eine Anmelderate von nahezu 100 % und wurde von den Studierenden hinsichtlich des Lernerfolges in 60% „sehr zufrieden“ und in 40% „zufrieden“ evaluiert. Der hier vorgestellte Kurs könnte als Basis für die weitere sportmedizinische Ausbildung inklusive Durchführung eines Wahlfaches „Sportmedizin“ im Rahmen des „Praktischen Jahres“ der Studierenden dienen.

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Rusch, Caroline Isabelle: Der Stellenwert der Sportmedizin in der Lehre in Europa und speziell in Deutschland. 2020.

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