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Corporate Rating 3.0 - Rating ist notwendig, Ratingagenturen sind es nicht

Winkel, Martin

1994 machte Bill Gates die Aussage “Banking is necessary, banks are not”. Dieser viel zitierte Spruch ist zwar knapp 25 Jahre alt, scheint aber heutzutage im Zeitalter von FinTechs zu passen. Auch in anderen Branchen der Finanzwirtschaft zeigt sich ein ähnliches Bild. Ratingagenturen entwickelten sich in seiner noch recht jungen Geschichte zu einer wichtigen Säule im Finanzsystem. Ihre Hauptaufgabe ist es, Informationsasymmetrien zwischen Emittent und Investor durch Beurteilung von zukünftiger Zahlungs- und Ertragsfähigkeit (Bonität) möglichst umfassend zu reduzieren. Ihre Ergebnisse fassen sie in Noten zusammen, welche eine Orientierung für Kapitalnehmer und Kapitalgeber an Finanzmärkten darstellen sollen. In der öffentlichen Wahrnehmung sind sie dieser Aufgabe zuletzt nur noch unzureichend nachgekommen. Aus diesem Grund ist es wenig verwunderlich, dass sie spätestens seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 massiv in die politische und mediale Kritik geraten sind. Tatsächlich haben renommierte Ratingagenturen in der Vergangenheit mit ihren Bewertungspraktiken schwerwiegende Fehler offenbart. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie aufgrund ihrer stetig gewachsenen oligopolistischen Markmacht ein nur oberflächliches Interesse an einem objektiven, wie auch qualitativ hochwertigem Rating haben. Das öffentliche Verlangen hinsichtlich einer adäquaten Neugestaltung des Ratingsystems wächst, welches den Bedürfnissen des immer komplexer werdenden Finanzsystems gerecht wird. Die Vielfalt der im Schrifttum vorgeschlagenen Modelle und Theorien unterstreicht die Komplexität des Marktgeschehens: In der Vergangenheit sind eine Reihe von Gesetzesentwürfen und Reformen konzipiert worden, die auf nationaler und internationaler Ebene den Ratingmarkt kontrollieren sollten. Allerdings hat nicht nur die Finanzkrise 2007, sondern auch die aktuelle Eurokrise 2011 gezeigt, dass sich die Rahmenbedingungen für Ratingagenturen kaum gebessert haben. Andere Marktalternativen, wie etwa die Gründung einer (non-profit-) europäischen Ratingagentur oder die Etablierung eines Rating-Fonds, beinhalten zwar gute Ansätze, bringen jedoch auch einige Probleme mit sich, so dass eine für alle Marktteilnehmer zufriedenstellende Lösung bisher nicht in Sicht ist. Das Geschäftsmodell von Ratingagenturen, gestern noch "systemrelevant", gilt jetzt womöglich als Auslaufmodell. Folglich deckt die wissenschaftliche Debatte die strukturellen Veränderungen der Ratingbranche in den letzten Jahren nur unzureichend ab, weil die generelle Frage nach der Existenzberechtigung von Ratingagenturen ausgeblendet wird. Um diese Forschungslücke zu schließen, wird in dieser Arbeit ein neuer Ansatz in der Ratingbranche vorgeschlagen: die Aufspaltung der Ratings nach dem Ratingobjekt. Dabei wird ein neues System hergeleitet, welches zum einen die Effizienz im Ratingprozess steigern und zum anderen das Vertrauen der Investoren wiedergewinnen soll. Dieses soll eine pragmatische Handhabung von Ausfallrisiken ermöglichen und dabei gleichzeitig aktuelle Herausforderungen und Probleme im Ratingmarkt berücksichtigen.

In 1994 Bill Gates made the statement "Banking is necessary, banks are not". Although this much quoted saying is almost 25 years old, it seems to fit in the age of FinTechs today. There is also a similar picture in other sectors of the financial industry. Rating agencies have become an important pillar of the financial system in its relatively recent history. Its main task is to reduce information asymmetries between issuer and investor as far as possible by assessing future payment and earning power (credit rating). Their results are summarized in notes intended to provide orientation for borrowers and investors in financial markets. In public perception, they have recently complied with this task only insufficiently. For this reason, it is hardly surprising that they have come at the latest since the outbreak of the financial crisis in 2007 massively in the political and media criticism. In fact, renowned rating agencies have in the past revealed grave errors in their valuation practices. They are accused of having only a superficial interest in an objective, as well as high-quality rating due to their steadily growing oligopolistic brand power. The public demand for an adequate reorganization of the rating system is growing, which meets the needs of the increasingly complex financial system. The variety of models and theories proposed in the literature underlines the complexity of the market: A number of draft laws and reforms have been designed in the past to control the rating market at the national and international levels. However, not only the financial crisis in 2007, but also the current euro crisis in 2011 showed that the framework conditions for rating agencies have hardly improved. Other market alternatives, such as the creation of a (non-profit) European rating agency or the establishment of a rating fund, are good, but also involve some problems, so that a satisfactory solution for all market participants is not yet in sight. The business model of rating agencies, yesterday still "systemically relevant", may now be considered an obsolete model. As a result, the scientific debate has not adequately covered the structural changes in the rating industry in recent years, because the general question of the raison d'être of credit rating agencies is ignored. To close this research gap, this dissertation proposes a new approach in the rating industry: splitting ratings by rating object. In the process, a new system is derived which, on the one hand, increases efficiency in the rating process and, on the other hand, regains investor confidence. This should enable a pragmatic handling of default risks while taking into account current challenges and problems in the rating market.

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Winkel, Martin: Corporate Rating 3.0 - Rating ist notwendig, Ratingagenturen sind es nicht. 2018.

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