DuEPublico 2

Dies ist unser neues Repositorium, derzeit für E-Dissertationen und ausgewählte weitere Publikationen. Weitere Informationen...

Demokratie-Lernen - normatives Ideal oder konstruktive Möglichkeit? Eine Untersuchung handlungsleitender Denkstrukturen schulischer Akteur*innen über Demokratie im Kontext Schule und allgemein

Nickel, Stefanie

Obwohl im demokratiepädagogischen Diskurs Einigkeit darüber besteht, das Schulen Kinder und Jugendliche für das Leben in einer demokratischen Gesellschaft lebensweltlich vorzubereiten hätten, und neben den Absichtserklärungen zudem in Schulen auch Bemühungen vorhanden sind, weisen einschlägige Studien ein anderes Bild auf. Nicht immer gelingt es den schulischen Bestrebungen bei der Gestaltung von Übergängen eine Brücke zwischen Schule hin zur demokratischen Gesellschaft zu schlagen. Zu fragen ist daher, ob die Vermittlungsvorstellungen von Demokratie in der Schule eine konstruktive Möglichkeit oder doch eher ein nicht zu erreichendes, normatives Ideal darstellen. Unter der Annahme, dass Demokratie als Begriff und politisches System zwar ein selbstverständliches Merkmal der modernen deutschen Gesellschaft ist, scheint es doch nicht immer ganz klar zu sein, was genau unter dem Begriff zu verstehen ist. Aussagen von schulischen Akteur*innen zu und über Demokratie dokumentieren die Bandbreite an Ideen und Vorstellungen. Die Vorstellungen changieren im Allgemeinen zwischen unterschiedlichen Aspekten. Die staatliche Bildungsaufgabe sieht nun aber Politische Bildung innerhalb der Organisation Schule vor, mit dem Ziel, der nachwachsenden Generation das Eingliedern und damit den Übergang von Schule in eine demokratisch verfasste Gemeinschaft zu ermöglichen, damit das etablierte politische System nicht nur bestehen bleibt, sondern gleichwohl auch kritisch hinterfragt und weiterentwickelt wird. Im Vordergrund sollte nach gängiger Auffassung der Demokratiepädagogik aber nicht nur der kognitive Wissenserwerb über Demokratie stehen. Demokratie wird aus demokratiepädagogischer Perspektive als lebensweltliches Vermittlungsprinzip von Politischer Bildung aufgefasst und soll durch erfahrungs- und handlungsorientierte Lehr- und Lernprozesse den Aufbau von demokratischer Handlungskompetenz im institutionellen Kontext begünstigen. Durch das Eröffnen von Handlungsräumen sollen den Schüler*innen Handlungsmöglichkeiten im Erfahrungsraum Schule angeboten werden, damit sich diese demokratisches Wissen, Können und Haltungen aneigenen können. Soweit die demokratiepädagogische Vision. Mit Blick auf die eingangs angeführte Annahme über das Verständnis von Demokratie, stellt sich jedoch die Frage, wie Demokratie angesichts der vielfältigen und höchst differenten Vorstellungen in der Schule gelehrt und gelernt werden kann, da den inhärenten Ideen und Idealen handlungsleitende Wirkung zugesprochen wird. Aus diesem Grund beschäftigte sich die Qualifikationsarbeit mit dem Lernen von Demokratie im Kontext Schule und allgemein. Es galt, in Kombination mit einer fundierten theoretischen Analyse aus fachwissenschaftlicher und pädagogischer Perspektive sowie anhand einer daran anschließenden empirischen Analyse, die demokratiepädagogische Vision der lebensweltlichen Vermittlung und die real gemachten Erfahrungen von Akteur*innen an verschiedenen Einzelschulen in den Blick zu nehmen. Ziel war es herauszuarbeiten, ob und wie Demokratie-Lernen an den Schulen realisiert wird. Gefragt wurde u.a. danach, was die Akteur*innen unter Demokratie verstehen, wie ihrer Ansicht nach eine demokratische Schule aussehen könnte sowie welche strukturellen Bedingungen förderlich und welche hinderlich wirken. Diesen Fragen wurde mittels Erhebung und Analyse von Erfahrungen und latenten Denkstrukturen der schulischen Akteur*innen beantwortet. Fazit ist: Demokratie-Lernen ist beides und bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen konstruktiver Möglichkeit und normativem Ideal – je nachdem welcher Vermittlungstypus (Aktivtypus/Führungstypus) stärker an den Schulen ausgeprägt ist.

Though the democratic education discourse agrees that schools have to prepare children and adolescents to live phenomenologically in a democratic society, and efforts are being made in schools in addition to the declarations of intents, relevant studies show a different picture. In spite of their efforts, schools do not always succeed, in the process of organizing transitions, in building a bridge between school towards a democratic society. The question arises, therefore, whether the perceptions of transmitting democracy at school represent a viable option or a normative ideal that cannot be reached. Under the assumption that democracy, as notion and political system, is indeed a natural characteristic of the modern German society, the meaning of this term does not seem to be always fully clear. Comments from school actors and actresses on democracy document the wide range of ideas and conceptions. These conceptions change in general between different aspects. The governmental educational task provides now for Political Education within the organization “school” aiming thus at supporting the integration and the transition from school into a democratically constituted community for the future generation, in order to not only maintain the established political system but also to critically scrutinize and develop it. In the foreground, according to the common view of civic education, the cognitive acquisition of knowledge should not stand above democracy. From the democratic education perspective, democracy is described as a phenomenological transmission principle of political education and should encourage the building of the democratic competence in the institutional context through experience and action-orientated teaching and learning processes. Through the opening of rooms of actions/fields of activities pupils should be given the possibility to act within their learning environment, school, in order for them to acquire this democratic knowledge, competence and attitude. So much for the democratic education vision. Given the introductory hypothesis mentioned, we face the question of how democracy, according to the various and highly different perceptions, can be taught and learned at school, since the inherent ideas and ideals have a guiding effect. For this reason, this qualification work concentrates on the learning of democracy in the context “school” and in general. The objective was, combining both an in-depth theoretical analysis from a scientific and educational perspective and its empirical estimation, to examine the democratic education vision of the phenomenological transmission and the real experiences made by the actors and actresses in different schools. The goal was to identify if and how the learning of democracy is achieved. The protagonists were asked, among others, what they understand under the term of democracy, how a democratic school would look like according to them, as well as which structural conditions are necessary and which are obstructive. These questions have been answered through the collection and analysis of the experiences and latent thought patterns of the school actors and actresses. The conclusion is that the process of learning democracy is both and finds itself caught between a constructive option and a normative ideal, whichever transmission type (active type/guide type) is more pronounced in the respective schools.

Vorschau

Teilen und Zitieren

Zitierform:

Nickel, Stefanie: Demokratie-Lernen - normatives Ideal oder konstruktive Möglichkeit? Eine Untersuchung handlungsleitender Denkstrukturen schulischer Akteur*innen über Demokratie im Kontext Schule und allgemein. 2017.

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:

Export