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Craving und Entscheidungsverhalten bei Personen mit pathologischem Kaufverhalten

Trotzke, Patrick LSF

Das pathologische Kaufen gilt als klinisch relevantes Phänomen, bei dem Betroffene die Kontrolle über ihr Kaufverhalten verlieren. Das Phänomen ist aktuell nicht psychiatrisch klassifiziert und obwohl Parallelen zu Suchterkrankungen gezogen werden, fehlen experimentelle Studien, die diese Parallelen untersuchen und in ein Gesamtmodell der Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung integrieren. Diese Forschungslücke soll mit der vorliegenden kumulativen Dissertation geschlossen werden. Schrift 1 des Kumulus adressiert die Nähe zu Suchterkrankungen. Unter Anwendung eines Cue-Reactivity Paradigmas mit kaufbezogenen Bildern wurden subjektive und physiologische Cravingreaktionen (Suchtmittelverlangen) bei Personen mit pathologischem Kaufverhalten festgestellt. Schrift 2 widmet sich dem pathologischen Kaufen im Online-Kontext und fand ebenfalls Cravingreaktionen bei Personen mit einer Tendenz zum pathologischen Online-Kaufen. Die Suchtkonzeption aufgreifend konnte in Analogie zu einem Modell für spezifische Formen einer Internetsucht gezeigt werden, dass der Zusammenhang zwischen einer prädisponierenden Erregbarkeit durch Einkaufen und der Symptomschwere bezüglich des Online-Kaufens durch die Nutzungserwartung mediiert wurde. Die Befunde aus Schrift 1 und 2 legen nahe, dass Cravingreaktionen, Belohnungsantizipation und Gratifikationsmechanismen in Analogie zu Suchterkrankungen einen wesentlichen Faktor in der dysfunktionalen Verhaltenssteuerung darstellen können. Schrift 3 untersucht Entscheidungsverhalten im Kontext von Suchterkrankungen bei pathologischem Kaufen. Es konnte gezeigt werden, dass Personen mit pathologischem Kaufverhalten Entscheidungsdefizite aufwiesen, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit und Konsequenzen einer Alternative unbekannt waren (Ambiguität), wohingegen sie keine Schwierigkeiten zeigten, wenn diese explizit vorlagen (Risiko). Die Ergebnisse legen nahe, dass dysfunktionales Entscheidungsverhalten durch ein Defizit in der emotionalen Feedbackverarbeitung bei intakten kognitiven Funktionen erklärt werden kann. Die vorliegenden Befunde aus den Schriften 1-3 des Kumulus werden in Bezug auf ein Gesamtmodell diskutiert, welches im Einklang mit Dual-Prozess-Theorien der Selbstregulation davon ausgeht, dass Cravingreaktionen und ein dysfunktionales Entscheidungsverhalten kovariieren und damit die Entscheidungen für die kurzfristig belohnende Alternative des Einkaufens ungeachtet der langfristig negativen Konsequenzen (Überschuldung, etc.) erklärt werden können. Zusammenfassend werden Parallelen des pathologischen Kaufens und Suchterkrankungen aufgezeigt und eine mögliche Klassifikation als Verhaltenssucht diskutiert.

Pathological buying is a clinical relevant phenomenon, in which affected individuals lose control over their buying behavior. Currently, the phenomenon is not psychiatrically classified, and although parallels to addictive behaviors have been considered, there is a lack of experimental studies which investigate this relationship and integrate these findings with respect to a comprehensive model for the development and maintenance of the disorder. This cumulative dissertation aimed to address this research gap. Scripture 1 of the cumulus addresses the potential proximity to addictive behaviors and found craving reactions on a subjective and physiological level in a group of individuals with pathological buying by applying a cue-reactivity paradigm with shopping related pictures. Scripture 2 investigates pathological buying patterns in the online context and found craving in individuals with a tendency to pathological online buying. With respect to the addiction concept, in accordance with a current model for specific Internet addiction, it was demonstrated that the relationship of a predisposing excitability from shopping and the symptom severity of online shopping was mediated by specific online shopping expectancies. Taken together, the findings of scripture 1 and 2 emphasize the important role of craving, reward anticipation, and mechanisms of gratification with regard to the dysfunctional behavioral control of pathological buying. Scripture 3 addresses the role of decision making in the context of addictions for pathological buying. The results emphasize that individuals with pathological buying showed decision-making impairments when the probability of occurrence and consequences were unknown (ambiguity), whereas non-impairments were observed when they were explicitly given (risk). Potential correlates included emotional feedback-processing deficits, rather than executive dysfunctions. The findings of the scriptures 1-3 will be discussed in the context of a comprehensive model, which emphasizes in line with dual-process theories of self-regulation that craving and dysfunctional decision making may be related, explaining the preference for the short-term rewarding option of buying despite long-term negative consequences (such as financial difficulties, etc.). Altogether, parallels of pathological buying with addictive disorders are revealed and a potential classification with respect to behavioral addictions is discussed.

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Citation style:

Trotzke, Patrick: Craving und Entscheidungsverhalten bei Personen mit pathologischem Kaufverhalten. 2016.

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