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Form und Stoff in Schillers Theorie der Ästhetischen Erziehung

Friedauer, Denise LSF

In der hier vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, die Systematik von Schillers Theorie der Ästhetischen Erziehung des Menschen herauszuarbeiten. Leitend ist dabei das zentrale pädagogische Problem der Herstellung und Wahrung menschlicher Totalität. Da eine ausschließlich kantische oder ausschließlich hegelianische Lesart für eine Erfassung der Systematik von Schillers Theorie nicht ausreichend ist, wurde in dieser Arbeit der Versuch unternommen, durch eine hylemorphistische Lesart Unstimmigkeiten, die durch eine ausschließlich kantische oder hegelinische Lesart bestehen bleiben würden, aufzulösen. Der Hylemorphismus geht von einer Koprinzipialität von Form und Materie aus und da es in Schillers Abhandlung Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen ein-deutige Hinweise dafür gibt, dass Schiller diese Koprinzipialität von Form und Materie ebenso voraussetzt, so scheint diese Lesart naheliegend. Dieser Analyse werden vier Dimensionen, die in Schillers Theorie der ästhetischen Erziehung ausgemacht werden können, zugrunde gelegt. Das ist erstens die subjekt-theoretische Dimension, zweitens die sozial- und gesellschaftskritische Dimension, drittens die kunsttheoretische Dimension und viertens die pädagogische Dimension, in welcher die ersten drei Dimensionen, mit Blick auf pädagogische Theorie und Praxis, synthetisiert werden. In der subjekttheoretischen Dimension von Schillers Theorie der Ästhetischen Erziehung kommt sein hylemorphistischer Denkansatz insbesondere anthropologisch in Formtrieb und Stofftrieb zum Ausdruck aber auch weitere anthropologische Grundlegungsmomente wie Person und Zustand, Vernunft und Sinnlichkeit, bleiben davon nicht unberührt. In der sozial- und gesellschaftskritischen Dimension zeigt sich dieser konkret in Schillers Dialektik von Materialismus und Idealismus. In der dritten Dimension, der kunsttheoretischen, erfasst der Hylemorphismus grundlegend das zentrale Moment von Kunstschaffen: das Wechselspiel von Form und Stoff im Kunstwerk. In der pädagogischen Dimension zeigt sich Schillers hylemorphistischer Denkansatz besonders deutlich in dem Zusammenstimmen von materialer und formaler Bildung. In jeder der vier Dimensionen wird der Frage nach der Totalität des Menschen kontextuell nachgegangen. In der subjekttheoretischen Dimension ist Untersuchung der Wechselwirkung von Stoff- und Formtrieb, Sinnlichkeit und Vernunft, Person und Zustand leitend. Im Kontext der Sozial- und Gesellschaftskritik hingegen ist es die Frage nach der Möglichkeit der Transformation eines Naturstaates in einen Vernunftstaat. In der kunsttheoretischen Dimension werden die drei zentralen kunsttheoretischen Momente in Schillers Theorie der Ästhetischen Erziehung, das Gleichgewicht, die Harmonie und die Schönheit, dargestellt. Stellenweise wird hier bereits die Rolle dieser drei Momente für die Herstellung und Wahrung menschlicher Totalität. In einem letzten Schritt werden die Arbeitsergebnisse in eine pädagogische Synthese überführt und gezeigt, dass die Schönheit, als ästhetisches Spiel, als einzige in der Lage ist, dem Menschen zu ermöglichen, sich als Totalität, als Einheit und als frei zu erleben.

In the present study an attempt is made to identify the classification of Schiller's theory of aesthetic education, focussing on the central educational problem of creating and preserving human totality. Given that an only Kantian or only Hegelian reading does not seem to be sufficient for detecting the classification of Schiller’s Theorie, an attempt was made to solve disagreements which would remain in an only Kantian or only Hegelian reading by applying the Hylemorphistic reading. A Hylemorphistic reading seems appropriate since it does assume a co-principiality of form and matter and Schiller’s On the Aesthetic Education of Man in a Series of Letters also gives clear indications that the author himself believed in the co-principiality of form and matter. The basic fundament of this analysis is laid by the four dimensions of Schiller’s Theory on the Aesthetic Education, which are: First, the subject theoretical dimension; Second, the socio-critical dimension; Third, the art theoretical dimension and fourth, the educational dimension which synthesizes the first three dimension with a view to the educational theory and practice. The subject theoretical dimension expresses Schiller’s hylemorphistic approach in an especially anthropological manner in the formal and material impulsion, yet also other anthropological aspects like Person and Condition, Reason and Sensuousness are touched by it. In the socio-critical dimension, Hylemorphism is displayed in Schiller’s dialectic of materialism and idealism. In the art theoretical dimension, it basically defines the essential, crucial moment of artistic work: The interplay of form and matter. Finally, the educational dimension expresses Schiller’s hylemorphistic approach particularly clear in assembling material and formal education. Each dimension asks for totality in a contextual way. The subject theoretical dimension focusses on analyzing the interaction of formal and material impulsion, sensuousness and reason, person and condition, while the socio-critical dimension asks for the possibility of transforming a state based on nature (Naturstaat) into a state based on reason (Vernunftstaat). The art-theoretical dimension displays the three central art-theoretical dimensions of Schiller’s On the aesthetic Education of Man, Balance, Harmony, Beauty. Here, he partially already refers to the role of these three moments for creating and preserving human totality. This study closes by transferring its results into an educational synthesis and by depicting that only the aesthetic game's beauty may enable humans to feel as a totality, to feel as a unit, to feel free.

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Friedauer, Denise: Form und Stoff in Schillers Theorie der Ästhetischen Erziehung. 2015.

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