Einfluss von Blutentnahmen aus einem Nabelarterienkatheter auf das zerebrale Blutvolumen und die zerebrale Oxygenierung bei sehr kleinen Frühgeborenen

Hüning, Britta-Maria LSF

Zerebrale Läsionen wie intraventrikuläre und periventrikuläre Blutungen und die periventrikuläre Leukomalazie sind wesentlich für spätere motorische und intellektuelle Entwicklungsstörungen Frühgeborener verantwortlich. In ihrer Genese spielt eine Instabilität der zerebralen Hämodynamik in den ersten Lebenstagen eine wichtige Rolle. Maßnahmen, die zu akuten Veränderungen der zerebralen Hämodynamik führen, sollten daher vermieden werden. Ziel dieser Arbeit war es, die Frage zu klären, ob eine Blutentnahme aus einem Nabelarterienkatheter (NAK) bei sehr kleinen Frühgeborenen zu Veränder-ungen der zerebralen Hämodynamik führt. Zur Messung von Veränderungen des zerebralen Blutvolumens und der zerebralen Oxygenierung wurde die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) eingesetzt. Sie nutzt die Transparenz biolo-gischer Gewebe für nahinfrarotes Licht und die Tatsache, dass im Hirngewebe nur wenige Chromophore in sich ändernden Konzentrationen vorliegen: oxygeniertes Hämoglobin (O2Hb), desoxygeniertes Hämoglobin (HHb) und die Cytochromoxydase. Durch Einsatz von Laserlicht 4 verschiedener Wellen-längen können Konzentrationsveränderungen dieser Chromophore gemessen und Veränderungen des zerebralen Blutvolumens und der zerebralen Oxygenierung (HbD) berechnet werden. Die Vorteile der NIRS liegen in der Nicht-Invasivität und der Möglichkeit der kontinuierlichen, bettseitigen Erhebung von Daten. 20 Frühgeborene (530-1500 g) wurden während einer diagnostischen Blut-entnahme aus einem NAK mit der NIRS und zeitgleicher Aufzeichnung der Vitalparameter untersucht. Die Messergebnisse zeigen, dass die Blutentnahme aus dem NAK einen signifikanten Abfall des O2Hb induzierte, während das HHb konstant blieb. Es resultierte ein signifikanter Abfall des CBV und des HbD. Das bedeutet, dass es durch die Blutentnahme zu einer akuten Reduktion der globalen Oxygenierung des Hirngewebes und somit zu einer Reduktion der zerebralen Sauerstoffversorgung kommt. Die Tatsache, dass Blutentnahmen in der besonders vulnerablen Phase der ersten Lebenstage bei sehr kranken Frühgeborenen häufig durchgeführt werden müssen, sollte Anlass geben, jede Blutentnahme kritisch auf ihre Notwendigkeit zu hinterfragen und kleinste Probemengen zu entnehmen, um ein mögliches Risiko für das Kind zu minimieren. Folgestudien sind notwendig, um die optimale Form der Blutentnahme zu finden.

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Hüning, Britta-Maria: Einfluss von Blutentnahmen aus einem Nabelarterienkatheter auf das zerebrale Blutvolumen und die zerebrale Oxygenierung bei sehr kleinen Frühgeborenen.

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