Netzwerkanalyse der Traumadimensionen bei ukrainischen Kriegsflüchtlingen in Deutschland : Gesamtnetzwerkanalyse und Geschlechtervergleiche in einer Querschnittsstudie zur Anwendung des Essener Trauma-Inventars (ETI)
Der Krieg in der Ukraine hat zu einer der größten humanitären Krisen des 21. Jahrhunderts geführt, die mit einer Vielzahl an psychischen Belastungen bei den Betroffenen einhergeht. Diese Dissertation untersucht die Traumadimensionen bei ukrainischen Kriegsflüchtlingen in Deutschland, wobei besonderes Augenmerk auf geschlechtsspezifische Unterschiede gelegt wird. Ziele der Studie waren die Untersuchung der strukturellen Merkmale von Traumadimensionen bei ukrainischen Kriegsflüchtlingen sowie der geschlechtsspezifischen Unterschiede in diesen Dimensionen. Dabei wurde mittels Netzwerkanalyse ein dynamisches System der psychischen Symptome und Traumata erstellt, um zentrale Symptome zu identifizieren, die für therapeutische Interventionen besonders relevant sein könnten. Methodisch handelt es sich um eine Querschnittsstudie, die auf einer repräsentativen Stichprobe von 1183 ukrainischen Kriegsflüchtlingen basiert. Zur Erhebung der Daten wurde das Essener Trauma-Inventar (ETI) verwendet, welches in dieser Arbeit für die Zielgruppe ins Ukrainische übersetzt wurde. Die statistische Analyse erfolgte unter Einsatz von SPSS und JASP, wobei Mixed Graphical Models (MGM) zur Identifikation der zentralen Symptome im Netzwerk genutzt wurden. Die Ergebnisse der Netzwerkanalyse zeigen geschlechtsspezifische Unterschiede in den zentralen Symptomen der Traumatisierung. Bei Frauen standen somatische Beschwerden wie „Durchfall“, „Übelkeit“ und „Bauchschmerzen“ im Vordergrund, die stark mit emotionalen Traumata verknüpft waren. Sie zeigten zudem häufig Vermeidungsverhalten. Männer wiesen vermehrt Hyperarousal-, Intrusions-, und Dissoziations-Symptome auf. Die zentralen Symptome waren bei beiden Geschlechtern signifikant miteinander verknüpft, was die Komplexität der Traumaverarbeitung unterstreicht. Die Ergebnisse dieser Arbeit tragen zu einem besseren Verständnis der psychischen Belastungen ukrainischer Kriegsflüchtlinge bei und zeigen, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in der Traumaverarbeitung berücksichtigt werden müssen. Die identifizierten zentralen Symptome können als Ansatzpunkte für zukünftige Interventionen dienen, die auf die spezifischen Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe zugeschnitten sind. Diese Erkenntnisse bieten eine wichtige Grundlage für die Entwicklung von Therapieansätzen, die sowohl die psychischen Belastungen als auch die sozialen Herausforderungen der Flüchtlinge adressieren.
The war in Ukraine has led to one of the biggest humanitarian crises of the 21st century, which has resulted in a great deal of psychological stress for those affected. This dissertation analyses the trauma dimensions of Ukrainian war refugees in Germany, with a particular focus on gender-specific differences. The aim of the study was to analyse the structural characteristics of trauma dimensions among Ukrainian war refugees and the gender-specific differences in these dimensions. Using network analysis, a dynamic system of psychological symptoms and traumas was created in order to identify central symptoms that could be particularly relevant for therapeutic interventions. Methodologically, this is a cross-sectional study based on a representative sample of 1183 Ukrainian war refugees. The Essener Trauma-Inventory (ETI), which was translated into Ukrainian for the target group in this study, was used to collect the data. The statistical analysis was carried out using SPSS and JASP, whereby Mixed Graphical Models (MGM) were used to identify the central symptoms in the network. The results of the network analysis show gender-specific differences in the central symptoms of traumatisation. For women, somatic complaints such as ‘diarrhoea’, ‘nausea’ and ‘abdominal pain’ were in the foreground, which were strongly linked to emotional trauma. They also frequently exhibited avoidance behaviour. Men exhibited more hyperarousal, intrusion and dissociation symptoms. The central symptoms were significantly linked in both genders, which emphasises the complexity of trauma processing. The results of this study contribute to a better understanding of the psychological burdens of Ukrainian war refugees and show that gender-specific differences in trauma processing must be taken into account. The key symptoms identified can serve as starting points for future interventions tailored to the specific needs of this population group. These findings provide an important basis for the development of therapeutic approaches that address both the psychological stress and the social challenges of refugees.