Wirksamkeit einer Gruppenintervention zur Verbesserung der Arbeitszufriedenheit und Verringerung arbeitsbezogener Belastungen in medizinischen Berufen - Eine randomisierte kontrollierte Studie
Mitarbeitende des Gesundheitswesens sind starken arbeitsbedingten Belastung ausgesetzt. Neben organisatorischen Herausforderungen, wie häufiger Schichtarbeit, Personalmangel und geringen Gehältern, gehören auch emotionale und körperliche Belastungen zum Alltag. Daraus kann eine reduzierte Arbeitszufriedenheit resultieren. Etablierte Maßnahmen setzen oft erst an, wenn Symptome sichtbar und eine Erkrankung manifestiert ist. Die Intervention Kreative Stärkungsgruppen (KSG) wurde zur Stärkung individueller Ressourcen konzipiert und wird in dieser Arbeit untersucht. Zur Prüfung der Wirksamkeit der KGS wurden zwischen 2019 und 2023 interessierte und Belastung wahrnehmende Mitarbeitende des Gesundheitswesens in einer RCT einer Interventions- oder Kontrollgruppe (IG, KG) zugeteilt. Die Arbeitszufriedenheit und belastungsassoziierte Variablen wurden durch standardisierte Fragebogenformate zu drei Messzeitpunkten (t0, t1, t2) erhoben. 196 Personen wurden randomisiert mit einem Lost to Follow-up von insgesamt 66,7%. Das mittlere Alter lag bei 46,3 Jahren, 84,5% der Personen waren weiblich. 43,7% gehörten zur Berufsgruppe Pflegepersonal. Zu t0 lag die Arbeitszufriedenheit der Gesamtstichprobe unterhalb der eines Vergleichswertes anderer Berufsgruppen in Deutschland. Nach den KSG veränderte sich die Arbeitszufriedenheit nicht statistisch bedeutsam zwischen den Gruppen (p=0,075), wobei die Kontrollgruppe eine signifikante Reduktion der Arbeitszufriedenheit verzeichnete (p=0,009). Die Indikatoren für patient:innenbezogenen Burnout (p=0,027) sowie persönlichen Burnout (p=0,011) veränderten sich signifikant positiv in der IG im Vergleich zur KG. Die wahrgenommene Arbeitsfähigkeit sowie körperliche Beschwerden veränderten sich nicht statistisch bedeutsam. Obwohl die Covid-19-Pandemie die Arbeitsbedingungen während der Studienlaufzeit verschärfte, geben die Ergebnisse Hinweise auf eine positive Veränderung im Umgang mit arbeitsbedingten Belastungen sowie der individuellen Resilienz nach Teilnahme an der Intervention Kreative Stärkungsgruppen. Eine niedrigschwellige und frühe Eingliederung von Maßnahmen, beispielsweise in die Ausbildungen, kann die Entwicklung eines schädigenden Umgangs mit Stress und Gewalterfahrungen reduzieren. Ein fairer Versorgungsstandard muss allen Arbeitnehmenden, geschlechts-, alters- und herkunftsunabhängig, den Zugang zu den Angeboten ermöglichen. Möglichkeiten des Austausches zwischen Kolleg:innen sowie Zugang zu präventiven Maßnahmen sollten über die gesamte Beschäftigungsdauer gewährleistet sein, auch im Sinne einer Reduktion der Fluktuation sowie krankheitsbedingter Ausfälle. Wenn von Stärkung der Resilienz in Gesundheitsberufen gesprochen wird, muss dies vor dem Hintergrund eines widerstandfähigen Gesundheitswesens geschehen, das nicht unter Personalmangel und den psychischen sowie körperlichen Belastungen zusammenzubrechen droht.
Healthcare professionals are exposed to high levels of work-related stress. Organizational challenges such as frequent shift work, staff shortages and low salaries, add up with emotional and physical stress on a daily basis. Reduced job satisfaction may result. Established symptom targeting interventions address manifested illness while preventive measures aim to reduce risks of work-related diseases. This study examines the Creative Strengthening Groups (CSG), which are designed to strengthen individual resources of healthcare professionals. To evaluate the efficacy of CSG a randomized controlled trial (RCT) was conducted between 2019 and 2023. Voluntary healthcare workers with perceived work-related or personal stress were assigned into either intervention or control group. The assessment of job satisfaction and stress-related variables was conducted by standardized questionnaires at three times of measurement (t0, t1, t2). A total of 196 subjects were randomized with a loss to follow-up of 66.7%. The mean age was 46.3 years and 84.5% participants were female. 43.7% of the subjects were nursing staff. At baseline the job satisfaction was below the average of other work professions in Germany. No significant difference in job satisfaction between the groups (p=0.075) was revealed after participating in the CSG. However, the control group showed a significant decline in job satisfaction (p=0.009). The indicators for patient-related burnout (p=0.027) and personal burnout (p=0.011) declined significantly in the IG compared to the control group. For perceived work ability and physical complaints no significant differences were found. Despite the impact of the pandemic on working conditions during the study period, the findings suggest a beneficial change in coping with work-related stress and individual resilience after participation in the Creative Strengthening Groups. Early integration, e.g. into training programs and further education, might reduce the negative impact of stress and experiences of violence. Employees, irrespective of gender, age or origin need equal access to a standard of prevention and health promotion. An opportunity for exchange of experiences and knowledge with colleagues should be ensured throughout the entire period of employment. Addressing resilience in healthcare requires a background of robust healthcare structures, not suspected to collapse due to staff shortage and mental overstrained professionals.