Landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten in der Entwicklungszusammenarbeit : Analysen und Empfehlungen
Die Förderung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten (WSK) ist in der deutschen und internationalen EZ zu einem wichtigen Ansatz geworden, um nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes zu fördern, sondern über die Einbindung kleinbäuerlicher Landwirtschaft auch einen Beitrag zur Armutsminderung und Ernährungssicherung zu leisten. Somit bettet sich dieser Ansatz in die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ein und kann eine Reihe von Zielen dieser Agenda adressieren. Während die Förderung von WSK großes Potenzial hat, eine nachhaltige Entwicklung voranzubringen, kann sie auch negative Wirkungen mit sich bringen, speziell für ärmere und vulnerable Bevölkerungsgruppen. Damit diese Bevölkerungsgruppen von einer Förderung von WSK profitieren können, benötigen sie gezielte finanzielle und technische Unterstützung sowie Überbrückungshilfen. Daher sollte der Ansatz primär auf die Armutsminderung, aber auch auf eine Verbesserung der Ernährungssicherheit, das Empowerment von Frauen und ein nachhaltiges natürliches Ressourcenmanagement abzielen. Die größten Herausforderungen bei der Förderung von WSK stellen dabei vor allem der unzureichende Zugang zu landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, Märkten und Agrarkrediten dar sowie das Fehlen von unternehmerischem Know-how für eine marktorientierte Produktion. Insgesamt zeigen die INEF-Untersuchungen zu landwirtschaftlichen WSK, dass eine Förderung immer bei der Primärproduktion ansetzen sollte, da diese die Grundlage für jede weitere Wertschöpfung legt. Dabei sollten jedoch vor jeder Investition die Landnutzungsrechte der zu unterstützenden Bevölkerung, insbesondere für Frauen, geklärt werden. Ein weiterer kritischer Punkt, den jede Förderung von WSK berücksichtigen sollte, ist die physische Infrastruktur eines Landes, um die Primärproduktion, aber auch die Weiterverarbeitung an Märkte anzubinden. Kleinbäuerinnen und –bauern können gerade bei der Primärproduktion in die WSK eingebunden werden. Um auch ressourcenschwache Betriebe in WSK zu integrieren, sollten diese bei Projektbeginn aktiv unterstützt werden, u.a. durch Fortbildungen zu marktorientierter Produktion. Vor allem der Zugang zu finanziellen Dienstleistungen und Überbrückungshilfen sowie zu landwirtschaftlichen Betriebsmitteln ist besonders zu Beginn der Anbausaison, speziell bei Erstaufnahme einer marktorientierten Produktion, von zentraler Bedeutung. Durch eine Organisation in Kooperativen kann der Zugang zu Krediten zudem erleichtert werden. Ferner ermöglicht diese Organisationsform, Ressourcen zu bündeln sowie die Verhandlungsmacht gegenüber AufkäuferInnen zu stärken. Damit sich Kleinbäuerinnen und –bauern, gerade zu Beginn der Betriebsaufnahme, weiterhin mit Nahrungsmitteln versorgen können, sollte des Weiteren ein reiner Fokus auf cash crops vermieden und stattdessen auch gesunde Grundnahrungsmittel gefördert werden. Um eine nachhaltige Produktion zu unterstützen, sollte eine Förderung von WSK zudem immer Maßnahmen des natürlichen Ressourcenmanagements beinhalten. Dadurch kann die Produktivität gesteigert und, im Vergleich zu bisheriger Praxis, gleichzeitig eine ökologisch nachhaltigere Bewirtschaftung der Flächen erreicht werden. Hierbei stellen gesicherte Landnutzungsrechte, speziell auch für Frauen, zusätzliche Anreize für Bäuerinnen und Bauern dar, um in ihre Felder zu investieren. Die Untersuchungen zeigen außerdem, dass die Weiterverarbeitung von lokalen Agrarerzeugnissen und Sammelprodukten einkommensschaffende Tätigkeiten speziell für Frauen bietet. Dabei ist eine lokal angepasste Teilmechanisierung wichtig, um die Produktionseffizienz zu erhöhen, ohne die Frauen aus der Weiterverarbeitung zu verdrängen.
