Sozialunternehmen in der kleinbäuerlichen Landwirtschaftsförderung : Das myAgro Modell in Mali

Die vorliegende Studie untersucht das von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geförderte Sozialunternehmen myAgro in Mali. Hierbei wird über die Bewertung der sozialen Wirkung hinausgehend das Sozialunternehmen auch als entwicklungspolitischer Akteur verstanden und analysiert. Im Rahmen einer Feldstudie wurden in einer Tandemforschung mit malischen Forschern eine quantitative Haushaltserhebung, sowie Fokusgruppendiskussionen und Intensivinterviews mit myAgro KundInnen sowie anderen Schlüsselpersonen durchgeführt.

MyAgro ist ein 2012 nach amerikanischem Recht gegründetes und in Kalifornien / USA als NGO registriertes Sozialunternehmen im Bereich der Landwirtschaftsförderung. Die Mission von myAgro ist es, Bauern und Bäuerinnen aus der Armut zu helfen. Dies soll durch einen ganzheitlichen Ansatz mit der Bereitstellung von verbessertem Saatgut und Düngemitteln mittels eines Sparansatzes, landwirtschaftlicher Beratung sowie dem Verkauf von landwirtschaftlicher Gerätschaft erfolgen. MyAgro achtet in ihrer Produktpalette auf nährstoffreiche Anbauprodukte und gibt damit Erdnüssen und Okra den Vorzug vor Mais.

Das Prinzip des myAgro Ansatzes ist es, dass Bauern und Bäuerinnen sich zunächst für den Kauf eines der verschiedenen Angebotspakete (paquet) entscheiden und dann die für dessen Kauf erforderliche Geldsumme über das sukzessive Sparen kleiner Geldbeträge zu Beginn der Anbausaison erstehen. Die Sparbeträge werden auf Mobiltelefonen eingezahlt und verzeichnet. Die KundInnen kaufen dazu Rubbelkarten (scratch cards), die auch für kleinste Geldbeträge erhältlich sind. Die Erreichung der bäuerlichen Bevölkerung erfolgt über ein weit verzweigtes Netz von Village Entrepreneurs (VE), Personen aus den Dörfern, in denen myAgro agiert oder agieren möchte.

MyAgro agiert dabei in Mali in einem Umfeld, in dem 47,2% der über 20 Mio. EinwohnerInnen unterhalb der Armutsgrenze leben und 19% der Bevölkerung unter Ernährungsunsicherheit leiden, in Konfliktregionen etwa 30%.

Die Menschen in den beiden vom AVE-Team im November 2021 untersuchten Regionen leben überwiegend von der Landwirtschaft und verbinden den Anbau von hauptsächlich Erdnüssen, Reis, Mais, Okra und Sorghum mit Viehhaltung. Ausgelaugte Böden stellen ein großes Problem in der Landwirtschaft dar. Ihre Motivation, myAgro-KundInnen zu werden, begründen die Befragten damit, dass sie dort einen besseren Zugang zu landwirtschaftlichen Inputs wie Kunstdüngemittel und Saatgut hätten, welches darüber hinaus, im Gegensatz zum von den staatlichen Stellen gelieferten Inputs, verlässlich zu Saisonbeginn und dezentral ins Dorf oder in Dorfnähe geliefert wird. Zudem spornen Erfolge, die man bei myAgro-KundInnen im Dorf sieht, zur Mitgliedschaft in der nächsten Anbausaison an.

Die Hauptklientel von myAgro sind Bäuerinnen. Diese bebauen im Durchschnitt 0,25 ha Land mit myAgro-Produkten. MyAgro bietet die Organisation in Spargruppen an, was besonders Frauen schätzen, da diese Form des Sparens sich an ihre traditionellen tontines anlehnt.

An Projektwirkungen begrüßen die myAgro-KundInnen insbesondere das durch die gesteigerten landwirtschaftlichen Erträge erzielte höhere Einkommen. Dieses wird in der Reihenfolge der Prioritäten für den Kauf von Nahrungsmitteln, für Investitionen in die Landwirtschaft (zu denen auch die myAgro-Pakete zählen), für Investitionen in die Viehhaltung sowie für Schulgebühren ausgegeben. Im Vergleich zur Referenzgruppe geben die myAgro-KundInnen an, ihre sozio-ökonomische Situation habe sich, im Vergleich zu vor fünf Jahren, wesentlich verbessert. Hinsichtlich der Ernährungssituation verzehren die myAgro-KundInnen nach eigenen Angaben proportional mehr Gemüse, Obst, Milch und Milchprodukte als Haushalte der Referenzgruppe.

Das Empowerment von Frauen ist eine beabsichtigte Wirkung von myAgro. Zum einen wird die Position von Frauen durch ihren Beitrag zur Ernährung und zum Einkommen des Haushalts gestärkt, zum anderen erfahren sie Unterstützung in vielerlei Hinsicht durch die im Rahmen von myAgro gebildeten Gruppen. Darüberhinaus schafft myAgro durch das weitverzweigte Netz, der von ihr beschäftigten VE, für junge Menschen Arbeitsplätze im ländlichen Raum, darunter auch eine beträchtliche Anzahl von Frauen.

MyAgro-KundInnen kritisieren zum einen die steigenden Preise für die myAgro-Pakete, die auf die allgemein steigenden Düngemittelpreise zurückzuführen sind. Zum anderen beklagen vor allem Frauen, dass die arbeitsintensiven Kulturtechniken schwierig umzusetzen seien.

MyAgro steht der Anwendung von agro-ökologischen Methoden positiv gegenüber und hat diese auch in ihren Trainingsmodulen verankert. Jedoch konnte eine Umsetzung in die Praxis bislang nicht festgestellt werden. Prinzipiell würde eine teilweise Abkehr vom Einsatz von Kunstdünger allerdings auch den Geschäftsinteressen von myAgro entgegenstehen, falls sich nicht im Gegenzug andere Produkte für die KundInnen entwickeln ließen oder die Beratungskomponenten von Dritten subventionert würden. MyAgro ist als Sozialunternehmen darauf angewiesen, Produkte zu verkaufen.

MyAgro hätte auch durch die Finanzierung der KfW und die Zusammenarbeit mit dieser die Gelegenheit, neue Produkte (z.B. Saatgut für Gemüse oder mucuna) anzubieten und Beratungsinhalte zu identifizieren, daraus Pakete zu entwickeln und diese bereitzustellen.

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