Mikrofinanzierung in Usbekistan : Das Länderprogramm der deutschen Sparkassenstiftung

Ländliche Finanzierung, insbesondere Agrarfinanzierung, wird bislang in vielen vor allem ärmeren Ländern im Gegensatz zu verfügbaren Kreditangeboten für Industrie, Gewerbe und vor allem für den Handel im urbanen Raum nur in geringem Umfang angeboten. Wo dies doch erfolgt, richten sich Angebote überwiegend an die wenigen formalisierten Betriebe der Agroindustrie. Wenige Länder wie Kambodscha mit sogar teilweiser Marktübersättigung machen hierbei eine Ausnahme.

In Usbekistan zeigt sich bisher eine Art von Mittelweg zwischen diesen beiden Polen, indem einerseits zahlreiche Kreditprogramme auch für den landwirtschaftlichen Bereich mit staatlicher Unterstützung bereitgestellt werden. Diese Angebote bewegen sich allerdings bisher zwischen relativ verantwortungsloser Bereitstellung von Mitteln bei einigen staatlichen Programmen mit entsprechenden Rückzahlungsproblemen einerseits und hohen Zinskosten, erheblicher Bürokratie und zäher Mittelvergabe bei weiteren Kreditlinien andererseits. Letzteres erschwert für einen landwirtschaftlichen Betrieb, der in keines der zumeist sehr spezifischen Förderprogramme passt, den Kreditzugang erheblich und macht ihn z.B. mit Blick auf Gerätschaft, wie selbst einfache Schlepper, wegen der Zinsbelastung für die InteressentInnen unrentabel.

Rund 50% der Bevölkerung Usbekistans leben im ländlichen Raum und für rund ein Drittel aller Beschäftigten ist die Landwirtschaft weiterhin die wichtigste Einkommensquelle. Bei den zumeist kleinen Ackerflächen sind die meisten Haushalte einerseits auf eine möglichst intensive Produktion z.B. durch Bewässerung, die Errichtung von Gewächshäusern oder die zusätzliche Viehhaltung, andererseits auf die zusätzliche Schaffung nicht-landwirtschaftlicher Möglichkeiten der Beschäftigung angewiesen. Dies gilt um so mehr, damit zumindest ein Teil der jungen Generation, von der pro Jahr 600.000 bis 700.000 Frauen und Männer auf den Arbeitsmarkt drängen, in den Dörfern gehalten werden kann.

Vor diesem Hintergrund will die Regierung über diverse Kanäle den Einstieg junger Menschen in das Berufsleben fördern. Dabei spielen die staatliche nationale Jugendagentur sowie die von dieser unterstützte usbekische Jugendunion als (staatsnahe) Nichtregierungsorganisation eine wichtige Rolle, die landesweit mit Beratungs- sowie weiteren Förderangeboten auf Provinz-, Distrikt- und Gemeindeebene vertreten sind und hier Büros und Personal unterhalten.

Zusammen mit der Vereinigung der usbekischen Geschäftsfrauen ist die Jugendunion seit drei Jahren Partner der deutschen Sparkassenstiftung für internationale Zusammenarbeit im Rahmen eines Projektes, das BerufseinsteigerInnen beim Zugang zu Finanzdienstleistungen insbesondere in der Landwirtschaft unterstützen möchte. Dies erfolgt durch die gezielte Ausund Fortbildung in unternehmerischer Planung, bei der die jungen Leute (zwischen 18 und 30 Jahren) lernen, wie Geschäftspläne für einen Klein(st)betrieb erarbeitet werden können, um als aussichtsreiche Grundlage für Kreditanträge dienen zu können. Dabei werden anstatt der sonst im Lande üblichen Frontalvorträge vor allem Planspiele eingesetzt sowie Verhandlungssimulationen mit Bank-MitarbeiterInnen.

Zugleich sollen strukturelle Probleme des Finanzsektors, nämlich das geringe Wissen der KreditberaterInnen bei den Finanzdienstleistern (FD) hinsichtlich landwirtschaftlicher Fragen, das Kreditzusagen erheblich einschränkt, überwunden werden. Dafür werden diese parallel zu den Angeboten für die potentiellen KundInnen und ebenfalls im Rahmen von Planspielen geschult, um ihr Verständnis für die Chancen und Probleme einer landwirtschaftlichen Betriebsführung zu entwickeln und entsprechend die Anträge besser bewerten zu können. Ein kleiner rotierender Fonds im Umfang von 550.000 EUR dient dazu, drei Partnerbanken dazu zu ermutigen, den durch die Schulungsmaßnahmen gut vorbereiteten AntragstellerInnen aufgeschlossener zu den derzeit vor allem für den Bau von Gewächshäusern und die Ausweitung der Viehzucht benötigten Kredite zu verhelfen.

Bei dem Vorhaben kann die Stiftung in Usbekistan auf langjährige Erfahrungen im Lande zurückgreifen, u.a. auf ein 2013 bis 2017 erfolgreich durchgeführtes Projekt, bei dem vor allem jungen Frauen in Finanz- und Unternehmensfragen geschult und bei der Betriebsgründung unterstützt wurden. Eine weitere Komponente trug dazu bei, das Wissen um Geldangelegenheiten, insbesondere auch Sparen, breit unter vor allem SchülerInnen Jugendlichen zu erweitern, wobei landesweit 5.000 Mal Planspiele an Schulen durchgeführt wurden.

Um die Projektaktivitäten kennenzulernen und die Wirkungen der beiden Vorhaben auf die Frauen bzw. jungen Leute in Erfahrung zu bringen, führte das INEF im September und Oktober 2022 eine Studie vor Ort durch, bei der vor allem das laufende Vorhaben im Rahmen von 100 Haushaltsbefragungen, mehreren Fokusgruppendiskussionen sowie weiteren Stakeholderinterviews untersucht wurde. Die Ergebnisse deuten auf eine sehr große Relevanz der Maßnahmen hin sowohl bei den befragten KursteilnehmerInnen und erfolgreichen KreditnehmerInnen als auch bei den beiden Partnerorganisationen und den drei beteiligten Banken. Von wenigen Ausnahmen abgesehen konnten die befragten jungen Leute die Kredite erfolgreich für den Aufbau oder die Erweiterung landwirtschaftlicher Aktivitäten nutzen und bereits nach einem Jahr signifikante Einkommen erzielen. Umgekehrt sehen die kontaktierten Bankenvertreter die Möglichkeit, angesichts der durch die Schulungsmaßnahmen deutlich qualifizierteren Anträge die Prüfung und Kreditvergabe zu beschleunigen.

Die Empfehlungen der Studie gehen dahin, dem Aspekt des Sparens bei den Fortbildungsbeiträgen noch mehr Gewicht zu geben, um die Kreditkosten (bei relativ hohen Zinsen) durch größere Eigenmittel zu reduzieren. Zudem sollten die Kreditverfahren stärker digitalisiert werden, um Zeit und Kosten zu sparen. Als wichtig angesehen wird ferner die deutliche Ausweitung der Kreditangebote durch die Partnerbanken, d.h. über den Projektfonds hinaus. Zudem empfiehlt die Studie angesichts der Genderrelevanz des Vorhabens eine Intensivierung des Monitoring und der Wirkungsbeobachtung auf der Basis von Erhebung und Bereitstellung Gender-disaggregierter Daten.

Auch für Usbekistan gilt allerdings, dass Kredite zur Begründung und Ausweitung wirtschaftlicher Aktivitäten ein ungeeignetes Mittel darstellen, um extrem armen Menschen nachhaltig zu helfen. Wo weder Ressourcen wie Ackerland oder Tiere noch Arbeitskraft vorhanden sind, können nur soziale Sicherungsbeiträge helfen.

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