Zum Inklusionsverständnis von Lehramtsstudierenden : eine mixed-methods Untersuchung der Subjektiven Theorien von Lehramtsstudierenden und deren Veränderungstendenzen
Zuletzt durch die UN-Behindertenrechtskonvention stark vorangebracht, nimmt die Verbreitung des Inklusionsbegriffs in den letzten Jahren zu. Inklusion wird dabei häufig primär im Feld der Erziehungswissenschaften und als pädagogische Querschnittsaufgabe verhandelt (Werning & Löser, 2010). Während in diesem Zusammenhang insbesondere Einstellungen zu Inklusion forschungsleitend sind, gibt es gleichzeitig wenige Erkenntnisse darüber, auf welchem Inklusionsverständnis diese Einstellungen beruhen (Gerdes et al., 2021). Angesichts der sich unter anderem aus differenten theoretischen Zugängen ergebenden Vieldeutigkeit des Begriffs Inklusion ist weitere Forschung zum Verständnis von Inklusion von Bedeutung (Sturm, 2022). Insbesondere die Perspektive von Lehramtsstudierenden stellt in diesem Zusammenhang ein Forschungsdesiderat dar. Gleichzeitig kommt ihnen aber eine besondere Verantwortung in der Umsetzung von Inklusion zu. Umso bedeutsamer ist es deshalb, sich ihrer Perspektive auf das mehrdeutige und anspruchsvolle Konzept Inklusion zu nähern. Da beispielsweise ein auf ein bestimmtes Differenzmerkmal verengtes Verständnis von Inklusion als Hindernis einer inklusiven Schulentwicklung und der angemessenen Umsetzung inklusiver Bildung herausgestellt werden kann (Steinert & Chilla, 2012). So soll mit dieser Arbeit einerseits dem formulierten Desiderat begegnet werden. Andererseits soll dadurch ein Beitrag zum Verständnis von Inklusion und den damit verbundenen Relevanzen geleistet werden. Der alltagssprachliche Begriff „Verständnis“ wird dabei in dieser Arbeit begründet zugunsten des wissenschaftlich fundierten Begriffs Subjektive Theorie abgelöst. Ausgehend vom metatheoretischen Hintergrund des Forschungsprogramms Subjektive Theorien (FST) (Groeben et al., 1988) werden in dieser Arbeit die Subjektiven Theorien in einem mehrschrittigen Erhebungsverfahren untersucht. Unter der Zielstellung Antworten auf die Frage zu finden, welche Subjektiven Theorien Lehramtsstudierende über Inklusion haben, werden verschiedene Forschungsmethoden miteinander kombiniert. Diese methodische Triangulation zielt darauf, neben der Erhebung eines Ist-Zustands in Zusammenhang mit dem operationalisierten Forschungsgegenstand vertiefende Einblicke in die Subjektiven Theorien der Lehramtsstudierenden zu erhalten. Gleichzeitig dient die quantitativ orientierte Teilstudie als Ausgangspunkt und Voraussetzung für die sich anschließende qualitative Teilstudie. In dieser Arbeit werden deshalb zum einen Daten mittels eines teilstandardisierten Fragebogens erhoben. Zum anderen werden mittels einer modifizierten Struktur-Lege-Technik (Scheele & Groeben, 1984, 1988a) die Subjektiven Theorien der Lehramtsstudierenden als „bildliche Repräsentation“ (große Prues, 2022, S. 225) erhoben. Durch die Erhebung zu zwei verschiedenen Zeitpunkten, zu Beginn des Studiums und am Ende des 3. Semesters, werden zusätzlich Erkenntnisse über Veränderungstendenzen der Subjektiven Theorien über Inklusion der Lehramtsstudierenden hervorgebracht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Frage nach dem Verständnis von Inklusion aus studentischer Perspektive in eine Frage der Grundvoraussetzungen für Inklusion überführt wird. Ferner wird über die Zeit eine zunehmende Orientierung am pädagogischen Handlungsfeld Schule und der eigenen Profession innerhalb der Subjektiven Theorien sichtbar. Gleichzeitig scheinen insbesondere die Studierenden im fortgeschrittenen Studium ihre Subjektiven Theorien über Inklusion zunehmend vor dem Hintergrund eines auf die Differenzkategorie Behinderung bezogenen Adressat*innenverständnisses herzuleiten. So zeichnen sich Veränderungstendenzen der Subjektiven Theorien der Lehramtsstudierenden ab, die auf der einen Seite als zunehmend professionell, das heißt lehrkräfteorientiert, charakterisiert werden können. Während sich auf der anderen Seite eine Veränderung im Sinne einer Verengung des Inklusionsverständnisses rekonstruieren lässt. Damit liefern die Ergebnisse dieser Untersuchung nicht nur Antworten auf die Frage, was Lehramtsstudierende unter Inklusion verstehen. Ebenso können Hinweise und weiterführende Fragen für eine inklusionsorientierte Lehrkräftebildung abgeleitet werden, damit erwünschte Veränderungstendenzen im Sinne einer zunehmenden Professionalisierung für eine inklusive (Bildungs-)Praxis nutzbar gemacht werden und rückläufige Tendenzen nicht zu einer unerwünschten Deprofessionalisierung führen.
In the recent past the spread of the concept of inclusion has increased mainly because of the efforts of the Convention on the Rights of Persons with Disabilities (CRPD). Against this background inclusion is primarily used in educational science and understood as a pedagogical cross-sectional task (Werning & Löser, 2010). Whereas research focusses on beliefs regarding inclusion, only a small number of research papers concentrate on the underlying comprehension of the concept (Gerdes et al., 2021). Additional Data shows that students focus on the basic prerequisites of inclusion rather than defining the concept itself. In addition, the results show that over time students increasingly deduce inclusion from a professional and pedagogical point of view. At the same time In summary, changes in the subjective theories can be seen, which on one hand indicate an increased professional perspective of inclusion while on the other hand a narrowing of the concept in regards to disability can be witnessed. Thus, the results do not only give answers to the comprehension of inclusion but also enable the deduction of further questions and implications for an inclusion-oriented teachers training.
research on the field of the comprehension of inclusion is necessary since the term itself isn’t distinctively defined and can be interpret in many ways (Sturm, 2022). Since the perspective of student teachers in relation to inclusion is considered insufficiently examined and they bear a special responsibility in its implementation, it seems necessary to further analyse the complex concept of inclusion from the students’ perspective. For example, a narrow view of inclusion focusing on one specific heterogeneity characteristic can be an obstacle for inclusive education and its development (Steinert & Chilla, 2012). This thesis aims to address the described scientific gap and contributes to the further understanding of inclusion. Instead of using the common concept of comprehension, this thesis applies the scientific concept of subject theories. A multiple-step analysis based
on the Research Program Subjective Theories (Groeben et al., 1988) is applied in this thesis to examine the subjective theories of student teachers of inclusion. While this methodical triangulation aims to raise an actual state in the context of inclusion it also provides insights into the subjective theories of student teachers. At the same time the quantitative part of the study is a requirement and a starting point for the qualitative analysis. In a first step a partially standardized questionnaire is given to the participants, which is
complemented by a modified qualitative survey method (Struktur-Lege-Technik, Scheele & Groeben 1984, 1988a) in order to gather valuable insights on the concept of inclusion from a student teachers’ perspective. Since the survey has two points of measurement,
it also generates data on the change of the subjective theories.
more advanced students seem to derive their subjective theories from their focus on disability.