Impakt- und Agglomerationsprozesse im (proto)planetaren Kontext in gravitativ, elektrostatisch und kohäsiv dominierten granularen Systemen
Diese Arbeit stellt einen Überblick über die während der Promotion angefertigten Veröffentlichungen dar. Im ersten Teil wird der Fokus auf die experimentelle Nachbildung von Asteroidenoberflächen gelegt. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf Einschlägen extrem langsamer Projektile mit Geschwindigkeiten weniger cm/s auf granularen Oberflächen unter möglichst präzise kontrollierten Bedingungen. Im ersten Paper wird das Experiment und die Milligravitationsplatform beschrieben. Die Plattform besteht aus einem Linearmotor, durch den die Mikrogravitation des Fallturms am ZARM Bremen in Milligravitation umgewandelt wird. Das Experiment ist auf dieser Schiene angebracht und besteht aus einer Vakuumkammer, die für die realistische Nachbildung der Asteroidenumgebung nötig ist. Die Details der Optik, des Vakuumschemas und des Abschussmechanismus für den Impaktor werden erläutert, sowie die Performance bewertet. Die zweite Veröffentlichung beschreibt die Ergebnisse dieses Experiments in Bezug auf den Restitutionskoeffizienten. Dabei wird herausgestellt, wie sich dieser in Abhängigkeit von der Partikelgröße ändert. Das beobachtete, nichtmonotone Verhalten wird anhand numerischer Simulationen auf den Effekt der Kohäsion im granularen Bett zurückgeführt.
Im zweiten Themengebiet wird das Wachstum von Partikeln unter dem Einfluss von Ladung im Kontext der Planetenentstehung untersucht. Dabei wird zunächst die Clusterstatistik von geladenen Glaskugeln in einem Fall\-turm\-experiment analysiert und mit Simulationen verglichen. Dieser Vergleich führt zu dem Schluss, dass das beobachtete Partikelwachstum nur durch Ladung erklärbar ist und diese dazu geeignet ist, die Bouncing-Barrier genannte Wachstumsgrenze bei millimetergroßen Partikeln zu überwinden. Vertiefend wird dann in einem anderen Experiment die Stabilität granularer Aggregate im cm-Bereich untersucht. Das beobachtete Erosionsverhalten bei Kollisionen um 0.5 m/s vervollständigt dabei das Bild eines ladungsgetriebenen Wachstums. Durch numerische Simulationen wird verdeutlicht, dass das Erosionsverhalten nur bei Berücksichtigung von Ladung auf den Partikeln plausibel ist. Die darauf folgende Veröffentlichung beschäftigt sich mit der Verteilung der Ladung an der Oberfläche einzelner Partikel. Experimentelle Beobachtungen zeigen hier, dass die Nettoladung nicht ausreicht, um das Verhalten einiger Dimere solcher Partikel im elektrischen Feld zu erklären. Ein Modell wird hierzu entwickelt, bei dem Ladungen auf der Oberfläche eines kugelförmigen Partikels durch simulierte Kollisionen verteilt werden. Die resultierende fleckenartige Ladungsverteilung kann die Oszillation der Dimere im Feld erklären.
This work presents an overview of research conducted during the pursuit of my doctoral degree. In the first part, the focus lies on experimental reconstruction of asteroid surfaces. More specifically, low speed impacts of particles with velocities of several cm/s were carried out in precisely controlled environments. We first describe the experimental apparatus and the milligravity platform. The platform consists of a linear drive, converting the microgravity provided by the drop tower at ZARM Bremen to milligravity. The experiment's vacuum chamber is mounted on the linear drive, completing the asteroid environment simulation. We describe vacuum system, optics and impactor launcher, further evaluating its performance. Using this setup, we examine the coefficient of restitution of impacts. The dependency of the coefficient of restitution is observed to be dependent on the bed particle size in a non-monotonic manner. This behavior is replicated with numerical simulations, pointing to cohesion as a source for this phenomenon. Further work on granular matter leads into the field of planet formation. The growth of charged sub-millimeter glass particles into centimeter clusters is examined. The analysis of experimental cluster statistics and comparison with numerical simulation shows that electrical charging is needed to explain the observed particles. This yields an explanation for planetary growth to breach the so called bouncing-barrier for millimeter sized agglomerates. The understanding of cluster growth and stability is further enhanced in another experiment, where erosion of a compact, centimeter sized aggregate of sub-millimeter particles is observed in a heated granular gas. Erosion limits are determined and compared with numerical simulations. As before, electrically charged particles yield an explanation for the observed behavior. Finally, the distribution of surface charges on spherical particles is in focus. As experimental data show, net charges on particles are not sufficient to explain the behavior of dimers when subjected to an electric field. A model is developed to distribute surface charges on particles via simulated collisions. The simulated surface charges are sufficient to explain the discrepancy between measured net charge and observed dimer oscillations.