PT Unknown
AU Luhn M.Sc., M
TI Transformation zur Elektromobilität: eine empirische Analyse zur Identifizierung der relevanten Einflussfaktoren und Modellierung der Transformationsfähigkeit von Automobilzulieferern in Deutschland
PD 06
PY 2021
DI 10.17185/duepublico/74513
LA de
AB Die Transformation zur Elektromobilität stellt die Automobilindustrie vor enorme Herausforderungen, von denen insbesondere die Zuliefererindustrie betroffen ist. Automobilzulieferer übernehmen für die Hersteller immer mehr Entwicklungs- und Fertigungsarbeiten, weshalb die Bedeutung der Zulieferer innerhalb der Automobilindustrie in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Dabei sind viele Produktportfolios der Zulieferer noch nicht auf den elektrischen Antriebsstrang ausgelegt, was in Anbetracht der steigenden Verbreitung der Elektromobilität schwerwiegende Folgen haben wird. Basierend auf dieser Ausgangslage wird in dieser Arbeit untersucht, welche Transformationsfähigkeit die deutsche Zuliefererindustrie beim Übergang in die Elektromobilität besitzt und welche relevanten Einflussfaktoren für die Fähigkeit identifiziert werden können. Zur Analyse der Transformationsfähigkeit wird zunächst auf der Datenbasis verschiedener Prognosen und auf der theoretischen Grundlage der Diffusionstheorie ein logistisches Prognosemodell für zwei Transformationsgeschwindigkeiten der Elektromobilität bis zum Jahr 2040 entwickelt. Das entwickelte natürliche Hochlaufszenario ergibt im Jahr 2040 einen Anteil von reinen Elektrofahrzeugen (BEVs) von 76 Prozent, während das beschleunigte Hochlaufszenario, unter der Annahme eines Verbots von Verbrennungsfahrzeugen, einen Anteil von BEVs im Jahr 2040 von 100 Prozent prognostiziert. Für den PKW-Weltmarkt ergeben sich aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie ebenfalls zwei prognostizierte Betrachtungswinkel, bei denen der Weltmarkt im Jahr 2040 zwischen 98 und 105 Millionen verkauften Fahrzeugen schwankt. Danach erfolgt eine technische Herleitung der zukünftig neuen und obsoleten Produkte durch die Elektromobilität. Ein direkter Vergleich des Fahrzeugaufbaus hat zum Ergebnis, dass zum einen die Hauptbereiche Antriebsstrang und Fahrwerk als betroffene Bereiche identifiziert werden können, wobei obsolete Komponenten hauptsächlich im Bereich des Antriebsstrangs zu finden sind. Zum anderen fehlt es den neuen Produkten, mit Ausnahme der Batterie, im Gegenzug an Komplexität und Differenzierungsmöglichkeiten für die Zulieferer. Es folgt als empirische Untersuchung eine Zuliefererbefragung, bei der n=103 Automobilzuliefererunternehmen teilgenommen haben und die, basierend auf der Beschäftigtenzahl, zusammen rund 90 Prozent der deutschen Zuliefererindustrie repräsentieren. Als ein Ergebnis der Auswertung zeigt sich unter anderem, dass noch rund ein Drittel des angegebenen Automotive-Umsatzes mit dem Geschäftsbereich Antriebsstrang Verbrennungsmotor generiert wird. Trotzdem rechnet fast die Hälfte der befragten Zulieferer mit einem Umsatzzuwachs durch die Elektromobilität. Zur Quantifizierung der Transformationsfähigkeit der Zulieferer und zur Überprüfung des Produktportfolios wird daraufhin ein Modell entwickelt, das beschreiben soll, inwiefern das in der Befragung genannte Produktportfolio für Hybrid- und Elektrofahrzeuge tauglich ist. Gewichtet nach der Beschäftigtenzahl ergibt sich für die befragten Zulieferer eine durchschnittliche BEV-Tauglichkeit des Produktportfolios bezogen auf den Umsatz von rund 64 Prozent. Mit dem zusätzlich entwickelten qualitativen Modell der BEV-Tauglichkeit der Zusatzindikatoren wird außerdem die Tauglichkeit bewertet, die eigene Wettbewerbsposition während der Transformation zu verbessern. Die folgende statistische Analyse der Zuliefererbefragung sowie die Anwendung des entwickelten Prognosemodells für zwei Transformationsgeschwindigkeiten kommen zu folgenden zentralen Ergebnissen: Große Zulieferer sind besser für die Transformation gerüstet. Eine lange Übergangszeit hat eine große Relevanz für die Industrie. Spezielle BEV-Produkte können den Umsatzrückgang abdämpfen. Unabhängig von der Zuliefererbefragung erfolgt außerdem eine Untersuchung zur Fragestellung, wie sich die Zuliefererindustrie auf die Transformation vorbereiten kann. Eine technische Herleitung eines zukünftig idealen Produktportfolios mit der Steigerung der Reichweite bei Elektrofahrzeugen als Leistungskennzahl des Portfolios hat zum Ergebnis, dass die Geschäftsbereiche Software, Elektromotoren/-antriebe, Klima/Heizung/Thermo, Elektronik, Batterie-/Akkutechnologie und Interior ein ideales zukunftsfähiges Produktportfolio für Zulieferer darstellen. Zusammengefasst ergeben sich somit folgende relevante Einflussfaktoren auf die Transformationsfähigkeit der Zulieferer: Die Tauglichkeit des Produktportfolios sowie das Entwicklungspotential Die Zulieferergröße Die Größe und der zukünftige Inhalt des Produktportfolios Die Länge der Übergangszeit
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