Untersuchungen zur Knochengesundheit bei 128 Kindern und Jugendlichen nach akuter lymphatischer Leukämie

Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist bei Kindern und Jugendlichen die häufigste maligne Erkrankung. Durch die zunehmende Individualisierung der Therapie und Verbesserung der supportiven Maßnahmen liegt die Überlebensrate über 90%. Überlebende leiden häufig an Spätfolgen. Die Spätfolgen betreffen auch den Knochenstoffwechsel, der bei Kindern und Jugendlichen aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Ossifikation, des Längenwachstums und des notwendigen Aufbaus einer ausreichenden Knochenmineralisierung einen besonderen Stellenwert hat. Die Detektion und Therapie der Spätfolgen am Knochen werden erheblich dadurch erschwert, dass der gesundheitliche Zustand des Knochens nicht ganzheitlich über eine einzige klinische, laborchemische oder radiologische Diagnostik ermittelt werden kann und sich schleichend entwickelt. Erschwerend liegen bisher nur wenige Informationen zur Knochengesundheit bei Kindern und Jugendlichen nach Erkrankung an einer ALL vor. In den letzten Jahren fand die Knochengesundheit erfreulicherweise zunehmend Berücksichtigung in den Langzeit-Nachsorge-Leitlinien der Children’s Oncology Group und der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und Diabetologie e.V. und der Gesellschaft für pädiatrische Onkologie und Hämatologie e.V.

Die Ergebnisse dieser Studie konnten zeigen, dass Osteopathologien bei Überlebenden einer kindlichen ALL bereits im Kindes- und Jugendalter nachweisbar sind. Es zeigten sich bei mehr als ¾ der Patienten ein Hinweis auf eine beeinträchtigte Knochengesundheit und die gesicherten Osteopathologien waren vielfältig. In der Studie zeichneten sich zwei mögliche Risikogruppen ab, welche in der Vorsorge besondere Berücksichtigung finden sollten: Zum einen zeigte sich häufiger eine beeinträchtigte Knochengesundheit bei Patienten mit einem höheren Erstdiagnosealter und zum anderen war die Anzahl an Knochenkranken signifikant höher in der Gruppe der Bestrahlten. Insbesondere die im Rahmen der Knochenmarkstransplantation durchgeführte Ganzkörper-bestrahlung ging vermehrt mit knochenkranken Überlebenden einher.

Bei 35% des Patientenkollektivs ließ sich ein schwerer Vitamin-D-Mangel nachweisen. Dieser wird als mitursächlich für einen hohen Anteil an Patienten mit sekundärem Hyperparathyreoidismus angenommen, keine weiteren Beeinträchtigungen der Knochengesundheit konnten abgeleitet werden.

Der Bone Pathology Harbinger ist ein Score mit hoher Spezifität und Sensitivität, der die Expertenmeinung gut abbildete. Somit hat der BPH Potenzial, zukünftig als Hilfsmittel in der Objektivierung der Knochengesundheit bei ALL-Patienten zu dienen. Um die Frage der Generalisierbarkeit zu beantworten muss dieser allerdings noch an Testkollektiven validiert werden.

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