Kardiovaskuläre Risikofaktoren nach Lungentransplantation unter besonderer Berücksichtigung serologischer Marker

Kruse, Frederike Maria GND

Die Zahl der Lungentransplantationen (LTX) und das mittlere Alter der Empfänger haben in den letzten Jahren zugenommen. Mit steigendem Alter bei Transplantation nimmt die Bedeutung der kardiovaskulären Morbidität und Mortalität zu. Grundlegender Pathomechanismus hierfür ist die Atherosklerose, die über chronische Inflammation und metabolische Dysregulation vermittelt wird. Tumornekrosefaktor-alpha, Interleuktin-8, Intercellular adhesion molecule 1 (ICAM-1) und vascular cell adhesion molecule 1 (VCAM-1) sind inflammatorische Marker, während Ghrelin, Leptin und Adiponektin als Marker der metabolischen Dysregulation gelten. Der Zusammenhang zwischen diesen Markern und kardiovaskulären Erkrankungen ist in der Allgemeinbevölkerung zwar gut untersucht, doch ist deren Bedeutung nach LTX kaum bekannt. Die vorliegende Arbeit hatte deshalb zum Ziel, die Charakterisierung des kardiovaskulären Risikoprofils anhand dieser serologischen Marker bei Lungentransplantierten im Vergleich zu nicht transplantierten Lungenkranken vorzunehmen. Vierzig Lungentransplantierte sowie eine gematchte Kontrollgruppe Lungenerkrankter wurden eingeschlossen, kardiovaskuläre Risikofaktoren und Erkrankungen wurden erfasst und Atherosklerose wurde mittels Duplexsonographie der A. carotis communis quantifiziert. Die serologischen Marker wurden in einer Nüchternblutprobe untersucht. Bei Lungentransplantierten fanden sich häufiger eine arterielle Hypertonie, Dyslipidämie oder obstruktive Schlafapnoe. Diabetes mellitus und kardiovaskuläre Erkrankungen lagen in den Gruppen gleich häufig vor. Anders als erwartet waren die kardioprotektiven Adipokine bei Lungentransplantierten erhöht. Der Ghrelinspiegel zeigte jedoch die zu erwartende negative Korrelation mit dem Grad der Atherosklerose. Auch der Leptinspiegel war, wie vermutet, bei arterieller Hypertonie und Übergewicht erhöht. Bei Lungentransplantierten fanden sich Hinweise auf eine Endotheldysfunktion, jedoch fand sich keine eindeutige systemische Inflammation. ICAM-1 und VCAM-1 zeigten außerdem eine positive Korrelation mit arterieller Hypertonie, Dyslipidämie und obstruktive Schlafapnoe. Die Ergebnisse dieser Studie deuten auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei Lungentransplantierten hin. Integraler Bestandteil des Langzeitmanagements nach LTX muss daher in Analogie zu der Strategie nach Nierentransplantation eine strikte Reduktion aller modifizierbaren Risikofaktoren sein. Weitere Studien scheinen notwendig, um den Einfluss der Adipokine und inflammatorischen Marker auf kardiovaskuläre Risikofaktoren und Komorbiditäten nach LTX zu analysieren und mögliche Therapieoptionen wie etwa eine primärprophylaktische Therapie mit Statinen oder Betablockern zu überprüfen.

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Kruse, Frederike Maria: Kardiovaskuläre Risikofaktoren nach Lungentransplantation unter besonderer Berücksichtigung serologischer Marker. 2020.

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