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Politikdidaktisches Wissen und Können – eine explorative Studie zur Modellierung und Operationalisierung handlungsnaher Aspekte professioneller Kompetenzen

Neumann, Dennis LSF

Derzeit vorliegende Kompetenzstrukturmodelle der Politikdidaktik sowie anderer Domänen gehen davon aus, dass das Professionswissen von Lehrkräften eine zentrale kognitive Ressource für unterrichtliches Handeln darstellt und messen dieses professionelle Wissen häufig in Form schriftlicher Wissenstest. Das damit verbundene theoretische Verständnis zur angenommenen Handlungswirksamkeit des so operationalisierten Wissens wird ebenso problematisiert, wie die entsprechenden forschungsmethodischen Zugänge, die zur Anwendung kommen. Kritisch diskutiert wird hierbei insbesondere, ob ein Papier-Bleistift-Test auch tatsächlich handlungsnahes Wissen erfassen kann, da wesentliche Facetten des Unterrichts – wie Kontextspezifität und Komplexität – in solchen Testformaten nicht adäquat abgebildet werden können. Diese Arbeit erkundet theoretisch und empirisch die Frage- und Problemstellung einer Modellierung und Messung handlungsnaher Aspekte professionellen Wissens und Könnens von (angehenden) Politiklehrkräften in Form einer explorativen Machbarkeitsstudie. Der Fokus liegt dabei auf dem für das Lehrer/-innenhandeln wichtigen fachdidaktischen Wissen. Der erste Teil der Arbeit (theoriebasierte Exploration) beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen zum professionellen Wissen und Können von Lehrkräften. Ausgangslage sind dabei insbesondere die Wissenstaxonomie von Shulman (1986, 1987) sowie kognitionspsychologisch geprägte Zugänge zum Lehrer/-innenwissen. Unterschiedliche Ansätze zur Konzeptualisierung des fachdidaktischen Wissens werden miteinander verglichen und deren Verortung in übergeordneten Kompetenzstrukturmodellen erläutert. Auf dieser Basis wird ein mehrdimensionales heuristisches Strukturmodell politikdidaktischen Wissens und Könnens vorgeschlagen, welches die Operationalisierung handlungsnaher Aspekte fachdidaktischer Kompetenzen ermöglichen soll. Im zweiten Teil der vorliegenden Arbeit (empirische Exploration) wird diese erweiterte Modellierung in ein erkundendes Testverfahren umgesetzt, das tentative Aussagen zu den Strukturannahmen des Modells sowie zu den Möglichkeiten einer computerbasierten videogestützten Diagnostik ermöglichen soll. Dieser empirisch-explorative Teil der Arbeit dient somit der Instrumenten(weiter)entwicklung sowie der Hypothesengenerierung. Hierzu werden angehenden Politiklehrkräfte im Format des video-cued testing Videovignetten mit authentischen, herausfordernden und anforderungsreichen Unterrichtssituationen gezeigt, auf die sie in natürlicher Sprache unter Zeitdruck reagieren müssen. Im Unterschied zu videobasierten Verfahren, die beispielsweise versuchen, aus der Beobachtung metakommunikativ-reflektierender Reaktionen der Probandinnen und Probanden Rückschlüsse auf die dahinter liegenden Kompetenzen zu ziehen, ist das Design der vorliegenden Studie als Leistungstest ausgelegt. Die Teilnehmenden verhalten sich in diesem Verfahren verbal so, als wenn sie im Unterricht wären; es wird davon ausgegangen, dass die Fähigkeit der Teilnehmenden nahe an authentischen Unterrichtssituationen geschätzt werden können. Die empirischen Befunde der Studie müssen aufgrund der Größe und Zusammensetzung der Stichprobe sowie aufgrund des explorativen Charakters der Arbeit entsprechend vorsichtig interpretiert werden. Jedoch deutet sich an, dass eine Operationalisierung handlungsnaher Aspekte politikdidaktischen Wissens und Könnens entlang der theoretischen Modellierung möglich ist. Auch die Ergebnisse hinsichtlich der Testleistungen der Probanden zeigen sich im Wesentlichen anschlussfähig an die Erkenntnisse vorliegender domänenspezifischer Studien. Gleichzeitig ist ein Weiterentwicklungsbedarf auszumachen, der sowohl die theoretische Modellierung als auch die empirische Messung betrifft. Dies wird im abschließenden Teil der Arbeit diskutiert.

Current competence structure models of political science didactics and other domains assume that professional competence of teachers is a central cognitive resource for teaching. This type of professional know-how is often measured through written knowledge-focused tests. The connected theoretical understanding concerning the assumed operative effectiveness of knowledge operationalized in this way is problematized as much as are the frequently used methodological research approaches. Critically discussed is in particular whether a paper-pencil test can actually capture “know-how”, as essential facets of teaching practice – such as context specificity and complexity – cannot be adequately displayed in such test formats. In an exploratory feasibility study this work examines theoretically and empirically the queries and problems of modeling and measuring know-how-aspects in the professional knowledge and abilities of (prospective) politics teachers. The focus lies on the subject-specific pedagogical content knowledge (PCK) important for the teachers. The first part of the work (theory-based exploration) deals with the theoretical foundations for professional knowledge and abilities of teachers. The main starting points are Shulman’s taxonomy of knowledge (1986, 1987), as well as approaches to teaching know-how coined by cognitive psychology. Different approaches to the conceptualization of PCK are compared and their localization in superordinated competence structure models is explained. On this basis, a multi-dimensional heuristic structural model of political-science-specific didactic knowledge and abilities is proposed, which is meant to facilitate the operationalization of know-how aspects of didactic skills. In the second part of this study (empirical exploration), this advanced modeling is transferred into a probing test procedure designed to facilitate tentative statements about the model’s structural assumptions as well as the possibilities of computer-based video-assisted diagnosis. This empirical-explorative part of the work therefore serves the instrument’s (further) development and the generation of hypotheses. For this, prospective political science teachers are shown video vignettes with authentic, challenging and demanding teaching situations in the format of the video-cued testing, to which they must respond in natural language under time pressure. Unlike video-based methods that for example try to draw conclusions about the underlying skills of the subjects by observing metacommunicative-reflective reactions, the design of the present study is devised as a performance test. Test subjects in this process verbally behave as if they were in the classroom; it is assumed that thus the skills of the test subjects in authentic teaching situations can be approximated. The empirical findings of the study have to be interpreted with appropriate care because of the size and composition of the sample and due to the exploratory nature of the work. However, results suggest that an operationalization of know-how aspects in didactical abilities and knowledge along the theoretical modelling will be possible. The results regarding the test performance of the test subjects essentially correspond to the findings of present domain-specific studies. At the same time, a need for further development can be ascertained, both in the theoretical modeling and the empirical measuring. This is discussed in the final part of the work.

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Neumann, Dennis: Politikdidaktisches Wissen und Können – eine explorative Studie zur Modellierung und Operationalisierung handlungsnaher Aspekte professioneller Kompetenzen. 2015.

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