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Über mögliche Interdependenzen zwischen Fernsehverhalten einerseits und von Lehrerinnen und Lehrern beurteilter Mathematikleistung andererseits bei Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I : eine sowohl methodische als auch inhaltlich-didaktische Reflexion

Fey, Michael

Aktuelle Nutzungsdaten des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest belegen, dass Fernsehen sowohl im Kindes- als auch im Jugendalter, trotz einer durch das Internet und Computerspiele steigenden medialen Konkurrenzsituation, nach wie vor ein äußerst dominantes Medium darstellt. Dementsprechend ist von einer Auswirkung dieser medialen Freizeitbeschäftigung auch auf verschiedene Bildungsbereiche auszugehen. Da das Fernsehen ein akustisches und visuelles Medium ist, ist es naheliegend, dass es auf das Sozialverhalten und die Sprachentwicklung einen höheren Einfluss hat, als auf die Entwicklung numerischer und mathematischer Fähigkeiten. Daher ist es dringend notwendig lokale (fachbezogene) Untersuchungen einer globalen Analyse der Wirkung des Fernsehens auf die Schulleistungen von Schülerinnen und Schülern vorausgehen zu lassen. In dieser mathematikdidaktischen Dissertation werden dazu mögliche Zusammenhänge zwischen dem Fernsehverhalten von 232 zwölf- bis vierzehnjährigen Jugendlichen und den entsprechenden Mathematikleistungen fragebogenbasiert untersucht. Die Arbeit ordnet sich damit dem Globalthema "Medien und Bildung" unter. Während in den bekannten fernsehkritischen Studien zumeist vor den Auswirkungen einer exzessiven Nutzungsdauer gewarnt wird, verweisen Fernsehbefürworter häufig auf positive Effekte pädagogisch geprägter Fernsehensendungen. Dementsprechend werden in dieser Arbeit sowohl die durchschnittliche Nutzungsdauer als auch die Art des Fernsehkonsums bestimmt. Zudem wird das sonstige Freizeitverhalten erhoben, um eine globale Interpretation der Ergebnisse zu ermöglichen. Die Mathematikleistungen werden durch eine Befragung der unterrichtenden Lehrkräfte gemessen. Anhand der erhobenen Daten kann mit datenanalytische Verfahren gezeigt werden, dass die Fernsehdauer in vier Zeitintervalle (Wenigseher, Mittelseher, Vielseher, Exzessivseher) zu unterteilen ist, fünf latente Faktoren dem Fernsehverhalten der Jugendlichen zu Grunde liegen (Unterhaltung, Wettkampf & Bildung, niveauarme Unterhaltung, humorvolle Unterhaltung, musikalische Unterhaltung) und das Freizeitverhalten der Probanden entweder als "aktiv/kreativ" oder aber als "passiv/kognitiv anspruchslos" beschrieben werden kann. Die Auswertungsergebnisse deuten darauf hin, dass vor allem die Fernsehdauer und die Freizeitgestaltung der Jugendlichen in einem direkten negativen Zusammenhang zu der Bewertung ihrer mathematischen Fähigkeiten stehen. Wer viel fernsieht und sich in der Freizeit nicht aktiv und kreativ beschäftigt, erhält im Durchschnitt negative Lehrerurteile. Die bevorzugt geschauten Fernsehsendungen lassen derweil kaum einen Zusammenhang zu den Mathematikleistungen vermuten. Lediglich der Konsum niveauarmer Unterhaltungssendungen ist mit negativen Mathematikleistungen verbunden. Die empirische Studie reiht sich damit nahtlos in die Menge der kritischen Untersuchungen ein. Im Fokus der Dissertation steht zudem das zusätzliche Ziel, eine wirkliche Einheit von empirischer Methodik einerseits und didaktischer Interpretation anderseits zu schaffen. Es soll also zwingend vermieden werden, auf statistische Standardverfahren zurückzugreifen und sich das zu interpretierende Ergebnis von dem gewählten datenanalytischen Verfahren diktieren zu lassen. Da in der Literatur und den bekannten Programmpakten (Excel, SPSS, R) keine wirklich adäquaten Methoden zu Verfügung stehen, die dem Niveau ordinalskalierter Daten angepasst sind, wurden bestehende Methoden weiterentwickelt und programmiert. Auf Basis eigener Beweise verschiedener mathematischer Sätze konnte so u.a. nachgewiesen werden, dass durch die Dichotomisierung der Variablen mit Hilfe der begriffsanalytischen Messtheorie nach Wille der Informationsverlust faktorenanalytischer Verfahren praktisch verschwindet. Zudem wird ein adäquates Verfahren zur Beseitigung auftretender missing values entwickelt. Im Rahmen dieser Arbeit können diese neuen Methoden erstmals auf große und reale Datensätze angewendet werden. Dabei bewähren sich sämtliche Verfahren, so dass hier der größte Erkenntnisgewinn dieser Dissertation zu sehen ist.

Current usage data substantiate that television still presents a very dominant medium in childhood as well as in adolescence, in defiance of an increasing media competition situation provoked by the internet and computer games. Accordingly, an effect of this media-related leisure activity also on different areas of education can be assumed. As television is an acoustical and visual medium, it seems self-evident that this medium has a bigger influence on the social behavior and the language development than on the development of numerical and mathematical capacities. Therefore, it is urgently necessary to let local examinations precede a global analysis of the effects of television on the school performance of students. In this mathematical-didactic dissertation, possible connections between the television habits of 232 12- to 14-year-old adolescents and the corresponding mathematics performances will therefore be examined based on a questionnaire. The work is therewith classified within the global topic “Media and education”. While in the known television-critical studies it is usually warned about the effects of an excessive usage time, television advocates often refer to the positive effects of pedagogically characterized television shows. Accordingly, in this work, the average usage time as well as the kind of television consumption are determined. Additionally, the other leisure behavior is surveyed in order to enable a global interpretation of the results. The mathematics performances are measured through interviews with the tutoring teachers. On the basis of the surveyed data it can be shown with data analytical techniques that the television watching time can be subdivided into four time intervals (little time, average time, a lot of time, excessive time), that five latent factors form the basis of the television habits of adolescents (entertainment, competition & education, primitive entertainment, humorous entertainment, musical entertainment) and that the leisure behavior of the probands can either be characterized as “active/creative” or as “passive/cognitively unambitious”. The results of the analysis point to the fact that especially the time of watching television and the recreational activities of the adolescents are in a direct negative correlation with the assessment of their mathematical capacities. Those who watch a lot of television and do not occupy themselves active and creatively during their leisure time on average receive negative assessments by their teachers. The preferably watched television shows meanwhile hardly let come to mind a connection to the mathematics performances. Only the consumption of primitive entertainment shows is connected with negative mathematical performances. The empirical study therewith joins seamlessly the mass of critical examinations. In the focus of the dissertation is furthermore the additional aim of creating a real unity of empirical methodology on the one hand and didactical interpretation on the other hand. Resorting to statistical standard methods and letting the to be interpreted result be dictated by the chosen data analytical method shall be avoided imperatively. As in literature and in the known program packages (Excel, SPSS, R) no really adequate methods which are adapted to the level of ordinally scaled data are available, existing methods were refined and programed. On the basis of own evidence of different mathematical formulas it could therewith be proven, among others, that through the dichotomization of the variables with the help of the conceptual analytical measurement theory according to Wille, the loss of information of factor analytical methods practically disappears. Furthermore, an adequate method for the elimination of appearing missing values is developed. In the framework of this research project, these new methods can be applied to extensive and real data sets for the first time. In doing so, all methods prove to be of value, so that the most substantial augmentation of knowledge of this dissertation can be seen in this field.

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Fey, Michael: Über mögliche Interdependenzen zwischen Fernsehverhalten einerseits und von Lehrerinnen und Lehrern beurteilter Mathematikleistung andererseits bei Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I. eine sowohl methodische als auch inhaltlich-didaktische Reflexion. 2014.

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