Prosoziales Verhalten von Helfern im Non-Profit-Bereich dargestellt am Beispiel von Teilnehmern/-innen des Projekts „be-my-angel“, Verkehrssicherheitsprojekt Schutzengel im Kreis Gütersloh/NRW

Lüdke, Kerstin

Durch das Ansprechen eines Jungen Fahrers, der unter dem Einfluss von Alkohol/Drogen oder mit überhöhter Geschwindigkeit ein Fahrzeug führt, zeigen junge Menschen ein prosoziales Verhalten. Die vorliegende Forschungsarbeit beschäftigt sich mit den zu Grunde liegenden Motiven dieses Verhaltens. Im Kreisgebiet Gütersloh war die Anzahl der verunglückten Jungen Fahrer im Jahr 2007 alarmierend hoch. Um die Zahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Jungen Fahrern zu senken, wurde das Schutzengelprojekt „be-my-angel“ installiert. Die Wirkungsweise des Projekts Schutzengel beruht auf der Annahme, dass die Peergroup einen starken Einfluss auf das Verhalten Gleichaltriger hat. Als Anreiz erhalten die Schutzengel nach ihrer Registrierung im Projekt einen Ausweis, der ihnen Rabatte und Vergünstigungen bei Projektsponsoren ermöglicht. Zentrales Forschungsinteresse der vorliegenden Untersuchung war es, die Beweggründe der jugendlichen Schutzengel, sich dieser verantwortungsvollen Aufgabe zu stellen, zu erfassen und Handlungsempfehlungen zur Gewinnung neuer und Unterstützung bereits registrierter Schutzengel zu formulieren. Beim Jungen Fahrer trifft das typische Anfängerrisiko mit jugendspezifischen Risiken zusammen und führt somit häufig zu Verkehrsunfällen. Diese sollen durch das Handeln der Schutzengel verhindert werden, indem sie kommunikativ auf den Jungen Fahrer einwirken, um ihn von seinem gefährlichen Verhalten abzuhalten. Dieses Handeln ist als prosoziales Verhalten zu qualifizieren. Theoretisch wird dieses Verhalten mit Erkenntnissen zum helfenden Verhalten begründet, die sich aus klassischen sozialpsychologischen Theorien ergeben. Bei den sozialpsychologischen Theorien wird zwischen personalen und situativen Einflussfaktoren auf das Verhalten differenziert. Bei den personalen Einflussfaktoren entscheiden individuelle Unterschiede der einzelnen Personen darüber, ob prosoziales Verhalten gezeigt wird. Dargestellt werden vor diesem Hintergrund das Empathie- Altruismus-Modell, die Theorie der kognitiven Dissonanz und der Einfluss von Kompetenz und Kenntnissen auf das Verhalten. Situative Faktoren beeinflussen in der konkreten Situation das Handeln von Personen. Betrachtet werden in diesem Zusammenhang der Bystander-Effekt, das Modelllernen sowie die Einflüsse vorherrschender Stimmung und antizipierter Kosten. Es werden verschiedene Untersuchungs- und Forschungsfragestellungen formuliert. Die einzelnen Fragestellungen beziehen sich im Wesentlichen auf die Erfahrungen, die von den Projektteilnehmern mit ihrem Einschreiten als Schutzengel gesammelt wurden, Gründe für ein mögliches Nichteinschreiten, die Bedeutung des Schutzengelausweises, die Häufigkeit der Inanspruchnahme von Rabatten sowie auf mögliche Unterschiede zwischen Projektteilnehmern aufgrund soziodemografischer Verschiedenheiten. Sie leiten sich aus den zugrunde gelegten Theorien ab und prüfen insbesondere den Einfluss der individuell empfundenen Handlungsverpflichtung, der vorherrschenden Stimmung und der Anwesenheit anderer Personen in der Situation. Durchgeführt wurde die Untersuchung mit Leitfadeninterviews, die der Grundidee des problemzentrierten Interviews folgt. Es wurden 56 telefonische und persönliche Interviews geführt, die vollständig verschriftet und mittels der Softwareanwendung MaxQDA10 systematisch mittels des Verfahrens der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet wurden. Die Untersuchungsergebnisse wurden den Erkenntnissen einer parallel durchgeführten Onlinebefragung mit 3.074 ausgewerteten Datensätzen gegenübergestellt, die in den wesentlichen Punkten zu vergleichbaren Ergebnissen führte. Die Motivation zur Teilnahme am Projekt ist auf die Absicht, einen Beitrag zur Verkehrssicherheit zu leisten, zurückzuführen. Bereits mehr als die Hälfte der Befragten konnte schon einmal erfolgreich einen Jungen Fahrer von seinem risikoreichen Verhalten abbringen. Auch diejenigen Schutzengel, die noch keine Gelegenheit hatten, als solche einzuschreiten, gaben an, als Schutzengel einschreiten zu wollen. Es wurde durchgehend von positiven Erfahrungen mit dem Handeln als Schutzengel berichtet. Hervorzuheben ist, dass die Anwesenheit anderer Personen die Schutzengel nicht von ihremVorhaben, einzuschreiten, abhält. Es kann eine Umkehrung des Bystander-Effekts nachgewiesen werden. Mit der vorliegenden Untersuchung wird gezeigt, dass Umstehende den Schutzengel bei seinem Einschreiten unterstützen. Dieser wird durch die Anwesenheit der anderen Personen nicht in seinem Verhalten gehemmt, sondern fühlt sich zum Einschreiten verpflichtetet. Darüber hinaus wurden Handlungsempfehlungen formuliert, die darauf abzielen, die Handlungssicherheit der Schutzengel zu stärken und die Projektkonzeption zu optimieren.

By addressing young drivers, who are under the influence of alcohol or drugs, or who are driving at excessive speed, young people display a pro-social behaviour. The present research study deals with the underlying motives of this behaviour. In the District of Gütersloh, the number of accidents involving young drivers was alarmingly high in 2007. The guardian angel project "be-my-angel" was implemented in order to reduce the number of accidents involving young drivers. The mode of action of the guardian angel project is based on the assumption that a peer group has a strong influence on the behaviour of its peers. As an incentive, the guardian angels receive a card at registration, which qualifies them for discounts and reductions at project sponsors. The main research aim of the present study is to record the motives of these young guardian angels to take on this responsible task and the formulation of actions for recommendation for the winning of new guardian angels as well as for the support of existing registered guardianangels. Young drivers are subjected to the typical beginner risk in combination with youth specific risks which often result in traffic accidents. These should be prevented by the actions of the guardian angels through communicative influence on young drivers, in order to deter him/her from his/her dangerous behaviour. This action qualifies as pro-social behaviour. In theory, this behaviour is explained with the findings on helping behaviour, which are based on the results of classic social-psychological theories. Social-psychological theories differentiate between personal and situational factors of behaviour. In the personal factors, individual differences of each person decide whether a prosocial behaviour is demonstrated. In this context, the empathy-altruism model, the theory of cognitive dissonance and the influence of competency and knowledge on behaviour is represented. Situational factors influence the action of people in a specific situation. The Bystander effect to include the model learning and the influence of the prevailing mood and anticipated costs are also examined. Various research questions are formulated. The individual research questions relate primarily to the experience gathered by the project participants as guardian angels, the reasons for potential non-interference, the importance of the guardian angel card, the frequency the discounts are made use of and the potential differences between project participants based on socio-demographic differences. The research questions are derived from the underlying theories and examine in particular the influence of the individually experienced obligation of action, the prevailing mood and the presence of other persons in the situation. The study was conducted with guided interviews which follow the basic idea of the problemcentred interview. A total of 56 telephone and personal interviews were conducted. They were fully documented and systematically assessed with the software application MaxQDA10 by the method of qualitative content analysis. The study results were compared to the findings of an online survey of 3,074 assessed data sets which ran parallel and resulted in similar results in the essential points. The motivation to participate in the project can be attributed to the intention of contributing to road safety. More than half of the respondents had already been able to successfully dissuade a young driver from risky behaviour. Also, the guardian angels who had not yet had the opportunity to intervene indicated that they intend to intervene as a guardian angel. All throughout, positive experiences of acting as guardian angels were reported. It must be pointed out that the presence of other people does not prevent the guardian angels from their intention to intervene as guardian angels. A reversal of the bystander effect could be verified. The present study demonstrates that bystanders support guardian angels when intervening. The guardian angel is not inhibited by the presence of other people, but rather feels obliged to intervene. Based on the research study findings, recommendations for action have been formulated which are aimed at strengthening confidence in taking action and optimisation of the project design.

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Lüdke, Kerstin: Prosoziales Verhalten von Helfern im Non-Profit-Bereich dargestellt am Beispiel von Teilnehmern/-innen des Projekts „be-my-angel“, Verkehrssicherheitsprojekt Schutzengel im Kreis Gütersloh/NRW. 2013.

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