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Arbeitsangebotseffekte und Verteilungswirkungen von Reformen der Sozialen Sicherung

Clauß, Markus

Die Steuer-Transfer-Mikrosimulation ist als Methode zur Ex-ante-Evaluation von Politikmaßnahmen inzwischen anerkannt und wird hier auch bei einer Vielzahl von Fragestellungen, die eine Reform des bestehenden Steuer- und Transferrechts betreffen, eingesetzt. Als Standard hat sich ein arithmetisches statisches Modell mit Verhaltensänderungen und einem unitären Haushaltskonzept etabliert. Obwohl das Standardmodell in dieser Form etabliert ist, weist es dennoch auch erhebliche Defizite auf.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist nun zum einen methodischer und zum anderen inhaltlicher Natur:
Erstens soll das Standardmodell um die fehlenden Komponenten a) Unfreiwillige Arbeitslosigkeit und b) random parameters logit-Modell sowie ein Wohlfahrtsmodul erweitert werden. Zur Darstellung der Wohlfahrtseffekte werden die Konzepte der kompensatorischen und äquivalenten Variation verwendet. Diese erlauben eine monetäre Darstellung des Wohlfahrtsgewinns oder -verlustes. Daneben wird ein parametrisches Bootstrap-Verfahren der Arbeitsangebotseffekte implementiert, um somit einen Konfidenzbereich der zu erwartenden Effekte darstellen zu können. In einem zweiten Schritt werden in der vorliegenden Arbeit die genannten methodischen Erweiterungen in ihrer Kombination erstmals einer genaueren Analyse von Reformoptionen des sozialen Sicherungssystems verwendet, um diese mit den bisher existierenden Studien zu vergleichen und möglicherweise neue Erkenntnisse in der Beurteilung dieser Reformen zu liefern. Hierzu wird auf Basis des Papiers (Clauss/Schnabel 2008) die Reform des Grundsicherungssystems, namentlich Hartz IV, untersucht. Als zweite große Reformvariante dient das Solidarische Bürgergeld nach dem Vorschlag von Dieter Althaus auf Basis des Papiers (Horstschräer/Clauss/Schnabel 2010). Als letzte Reformoption wird die Einführung einer Kinderkomponente für Geringverdiener analysiert (Schnabel et al., 2007).
Die Ergebnisse zeigen, dass es zu merklichen Unterschieden in den Angebotselastizitäten kommt. Zwar neutralisieren sich die Wirkungen von random parameters logit und unfreiwilliger Arbeitslosigkeit beispielsweise bei Paarhaushalten, sodass man nicht deutlich vom Standardmodell entfernt liegt, bei Single-Frauen gilt dies jedoch nicht. Darüber hinaus zeigen die Angebotselastizitäten innerhalb bestimmter Teilgruppen eindeutigere Unterschiede. Trotz der methodischen Erweiterungen und Neuerungen kommt es aber zu keinen wesentlichen Änderungen der qualitativen Ergebnisse der jeweiligen Reformen. Dennoch sollte vor allem bei kleineren Reformen, die nur bestimmte Personengruppen betreffen (z.B. Singlefrauen, Alleinerziehende, Alleinerziehende mit Kleinkindern unter 3 Jahren), die Interpretationen einem Robustheitstest unterzogen werden. Daher ist es hilfreich und wichtig, an dieser Stelle auch andere Schätzmodelle zu verwenden, um sicherzustellen, dass sich die qualitativen Aussagen auch wirklich nicht ändern.

Tax-benefit microsimulation has become a standard method of evaluating political reforms ex-ante and is considered here in relation to various questions regarding the reform of the existing tax and benefit system. The standard model uses an arithmetic static model with a unitary household concept, and allows for behavioural reactions on the labour supply side. Although this model has become widely established, it also reveals a number of drawbacks.
The aim of this work is both methodological and contentual in nature:
Firstly, the standard model should be expanded to also include the missing components a) involuntary unemployment and b) a random parameters logit model, as well as a welfare module. In order to demonstrate the welfare effects the concept of compensating and equivalent variation is applied. This concept allows a monetary representation of a welfare gain or loss. Alongside these further developments, a parametric bootstrap method is implemented to calculate the anticipated labour supply effects in a confidence interval. Secondly, the methodological improvements are applied the first time in combination in this work to analyse several welfare reform concepts, and to compare them with the existing studies based on the standard model approach, as this could lead to new insights or interpretations of the evaluation of the reforms. For this purpose, reform of the basic unemployment support system, namely Hartz IV, is evaluated based on the paper by Clauss/Schnabel 2008. A second major welfare reform that is also analysed is the unconditional basic income as proposed by Dieter Althaus, which was the focus of the paper Horstschräer/Clauss/Schnabel 2010. The final welfare reform analysed is the introduction of a child benefit supplement for low-income families, based on Schnabel et al. 2007.
The results reveal noticeable differences especially in the labour supply elasticities. Although the effects of the random parameters logit model and the involuntary unemployment seem to neutralise each other, especially for couple households, so that the effects are near to the standard model, for single women households this finding is not true. In addition to this general finding the labour supply elasticities also show noticeable differences among certain subgroups of the population. Despite the methodological expansion and improvement of the model, the qualitative results show no remarkable changes as compared to the standard model. This leads to the conclusion that perhaps not for large but for small welfare reforms or reforms targeted at certain subgroups of the population (e.g. single women, single parents, single parents with small children under 3 years) the interpretations should be subjected to a robustness test. It is therefore expedient and important to apply other estimation models here, in order to ensure that the qualitative findings remain unchanged.

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Zitierform:

Clauß, Markus: Arbeitsangebotseffekte und Verteilungswirkungen von Reformen der Sozialen Sicherung. 2012.

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