Die chemische Industrie zwischen Globalisierung und Industriepolitik : Eine Studie im Rahmen des Projekts «Sozial-ökologische Transformation der deutschen Industrie»

Als eine der energie- und ressourcenintensivsten Industrien in Deutschland steht die Chemieindustrie vor der Herausforderung, ihre Produktionssysteme und Geschäftsmodelle klimaneutral auszurichten. Gegenwärtige Studien legen nahe, dass dieses Ziel – infrastrukturelle und technologische Veränderungen vorausgesetzt – innerhalb der staatlich vorgegebenen Zeiträume tatsächlich gelingen kann. Zugute kommt der Chemieindustrie hierbei das hohe Qualifikationsniveau ihrer Beschäftigten, überdurchschnittliche Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) sowie die chemietypische Produktion in Verbundstandorten. Der Klimawandel und die daraus resultierenden Maßnahmen bieten sogar Chancen für die Geschäftsmodelle der Chemie (insbesondere im Hinblick auf die Produktion von Wasserstoff, klimarelevante Vorprodukte für andere Industrien sowie auf Dienstleistungen rund um eine zu etablierende Kreislaufwirtschaft). Die größten Herausforderungen für das Gelingen der sozialökologischen Transformation stellen unter anderem der zunehmende globale Wettbewerb, hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren dar. Der Verlust von Arbeitsplätzen im Rahmen der Transformation wird nach aktueller Studienlage moderat ausfallen. Gleichwohl ist die (Weiter-)Qualifizierung der Chemiebeschäftigten von größter Bedeutung.

Die Verbände von Kapital und Arbeit bilden inzwischen eine wichtige Triebkraft des Wandels. Dies gilt sowohl für die Unterstützung von Unternehmen und Betriebsräten als auch für die Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen der sozialökologischen Transformation. Vor einigen Jahren haben sowohl der Wirtschaftsverband der chemischen Industrie (VCI) als auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ihre skeptischen Orientierungen gegenüber der Transformation und ihre vormals auf Vermeidung politischer Maßnahmen ausgerichteten Handlungsstrategien beendet. Seitdem setzen sich die Verbände aktiv für neue industriepolitische Strategien, die öffentliche Förderung ökologischer Investitionen und eine Stärkung der Mitbestimmung ein. Auch der Diskurs mit den Umweltverbänden wurde intensiviert. Offene Fragen beziehen sich vor allem auf die Finanzierung der Transformation und die Rolle des Staates.

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